Freitag, 5. Februar 2016

Welche Maske darf es sein, Miss? - Kurzgeschichte Teil 4



Hey ihr,
hier kommt der nächste Teil der Kurzgeschichte :D Entschuldigt dass es so lange gedauert hat, aber es ist irgendwie immer etwas dazwischen gekommen. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen! Und wie immer ist Feedback sehr gerne gesehen!

Küsschen, Clara

PS: Falls ihr die anderen Teile noch nicht gelesen habt, dann könnt ihr das hier nachholen ;)
 


-4-

Ich war schon eine Stunde früher in der Buchhandlung als verabredet, weil ich noch ein bisschen lesen wollte. Ich hatte es mir gerade mit einem Buch auf der Galerie gemütlich gemacht, als mein Handy, das auf dem niedrigen Tisch vor mir lag, vibrierte und einen Anruf anzeigte. Erst dachte ich, Goerge riefe an, um abzusagen, aber nach einem kurzen Blick auf den Display stellte ich fest, dass es meine Mutter war. Ich schaute mich kurz um, um sicherzugehen, dass ich alleine war und hielt mir dann mein Handy ans Ohr, allerdings mit einigen Zentimetern Sicherheitsabstand. Wie erwartet wetterte es mir, nach einem zaghaften „Hallo?“  auch schon entgegen.
„Sag mal, hast du eigentlich eine Ahnung, wie oft ich dich versucht habe anzurufen? Daran, dass du eine Mutter hast, kannst du dich aber schon noch erinnern, oder? Ich hab auch besseres zu tun, als dir ständig hinterherzurennen!“
Ich seufzte und fragte so desinteressiert wie möglich: „Was gibt’s?“
„Was hast du dir dabei gedacht, den Fototermin abzusagen? Hast du eigentlich eine Ahnung, wie viele Leute an sowas beteiligt sind und wie viel Stress und Ärger du denen jetzt gemacht hast? Lilian hat mir auch erzählt, dass sie der Manager von der Firma persönlich angerufen hat, um zu fragen ob alles mit dir okay ist! Möchtest du unbedingt als kleine verwöhnte Promi-Göre durchgehen?“
Ich musste tief Luft holen, um nicht direkt zurückzuschreien, trotz allem war ich ihre Tochter. Also versuchte ich so ruhig wie es mir nur möglich war zu antworten: „Erstmal habe ich Lilian gefragt, ob das okay ist und sie meinte, es wäre kein Problem, zweitens bin ich das letzte halbe Jahr von einem Interview zum nächsten gerannt, von diesem Fotoshoot zu jenem, ohne mich einmal zu beschweren, also fang jetzt nicht an hier irgendetwas von einer verwöhnten Promi-Göre zu predigen, und drittens bin ich alt genug selbst Entscheidungen zu treffen und meine Angelegenheiten selber zu regeln!“, nun war ich doch am schreien. „Also halt dich gefälligst da raus, wenn du überhaupt keine Ahnung hast, worum es überhaupt geht und nur wieder einen Grund suchst, um mir die Hölle heiß zu machen. Auf deine verschrobene Art nach Aufmerksamkeit und Zuneigung zu suchen kann ich dankend verzichten!“
Sobald ich zu Ende gesprochen hatte, wurde mir klar, dass ich zu weit gegangen war, aber irgendwer musste diese Frau auch mal in ihre Schranken weisen. Es war einige Augenblicke lang totenstill am anderen Ende der Leitung, doch das war nur die Ruhe vor dem Sturm.
Mit einer Stimme, die Medusa persönlich hätte gehören können, fauchte es aus meinem Handy: „Was zum Teufel glaubst du verblendetes Balg von einer Tochter eigentlich, wer du bist! Ohne mich wärst du ein Nichts und wärest schon lange in der Gosse gelandet. Wenn du denkst, dass...“ Ich hatte keine Lust mir ihre Beschimpfungen weiter anzuhören, deswegen legte ich auf und stellte mein Handy auf lautlos. Ich würde mir später noch irgendwann eine Standpauke anhören müssen und sie würde mich wahrscheinlich zum dritten Mal enterben, aber ich hatte schon vor vielen Jahren aufgehört mich darüber aufzuregen.
Mir war die Lust am Lesen vergangen, also legte ich das Buch, das immer noch aufgeschlagen in meinem Schoß lag, beiseite und lehnte mich mit geschlossenen Augen zurück. Ich döste vor mich hin, denn ich hatte wirklich schlecht geschlafen. Ich stellte mir vor, an einem Fluss zu stehen. Ich konnte das beruhigende Rauschen einer entfernten Schleuse hören, roch den Geruch nach modrigem Wasser und Algen, hörte das kaum vernehmbare ‚Blub’ untertauchender Fische und das Krächzen einiger Krähen in den Trauerweiden am Flussufer. Die Sonne wärmte mein Gesicht und ich merkte, wie mein Pulsschlag sich wieder normalisierte.
Etwas wanderte zwischen die wohltuenden Sonnenstrahlen und mein Gesicht. Ich hielt den Schatten für eine Wolke und wartete darauf, dass sie vorbeizog. Als sich nach einigen Sekunden nichts veränderte, öffnete ich die Augen und blinzelte gegen die von der Sonne erstrahlte Silhouette einer Person. Als sich meine Augen an das Licht gewöhnt hatten, erkannte ich das schelmische Lächeln und die braunen Augen.
„Im Sonnenlicht leuchten deine Augen wie ein See vor einem Herbststurm“, sagte Goerge zur Begrüßung.
Ohne meinen entspannten Gesichtsausdruck zu ändern oder den Blick abzuwenden, erwiderte ich: „Das ist das Kitschigste, was ich je in meinem Leben gehört habe!“
„Du musst Nachsicht mit mir haben, immerhin bin ich ein halber Engländer und in meinen Adern fließt das Blut von Shakespeare“, antwortete er.
Ich schloss wieder die Augen und sagte mehr zu mir selbst als zu ihm: „Selbst Shakespeare würde sich im Grabe umdrehen.“
Als ich meine Augen wieder öffnete, sah er mich nur verständnislos an und ich musste laut loslachen.

„Keine Sorge, Shakespeare, der deutschen Sprichwörter sind nicht mal die Deutschen mächtig.“ Als Antwort erntete ich nur noch mehr verunsicherte Blicke, was mich noch mehr zum Lachen brachte. Das würde ein amüsanter Abend werden, stellte ich schmunzelnd fest.


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Kommentare:

  1. Hey Clara
    oh man schon zu Ende, du schreibst einfach unfassbar toll und so locker ich bin echt gespannt darauf wie es weiter geht!!!

    Liebst, Tinker

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    1. Schön dass es dir wieder gefallen hat! Ich versuch mich dieses mal mit dem nächsten Teil wieder ein bisschen zu beeilen :*
      Clara

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  2. Bisher der beste Teil der Geschichte! Der Anruf der mutter war eine toll geschriebene Szene, bin richtig wütend auf diese Frau geworden.^^

    Weißt du schon, wie lang sie in etwa werden soll? ;)

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    1. Hehe ^^ nervige Mütter kann ich gut XD

      Nee nicht wirklich ... also in meinem Kopf hab ich noch vier fünf weitere Teil geplant aber ich weiß nicht ob ich sie dann auch abschließen kann

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    2. Oh Gott, diese Mutter! Ich war auch direkt wütend!!! Kann es sein, dass sie nur die Adoptivmutter ist? Weil sie meinte "ohne mich wärst du in der Gosse"? Übrigens toll beschrieben "Mit einer Stimme, die Medusa persönlich hätte gehören können, fauchte es aus meinem Handy" Habe ich auch noch nie gehört oder gelesen. xD Genialer Vergleich!! ='))

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    3. Das ist eigentlich ne nice Idee, aber war so nicht geplant :D wenn ich darf übernehme ich dass einfach mal so ;)

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  3. Huhu Clara,

    also hier noch ein offizieller Kommentar und nicht nur eine Antwort auf euer vorheriges Gespräch. =) Postest du die Geschichte eigentlich in regelmäßigen Abständen? Dann wüsste ich immer direkt an welchem Tag ich vorbeischauen müsste, um weiter zu lesen. =) Die Mutter finde ich genauso wie Lena direkt schlimm und genauso wie Tinker lese ich deine Geschichte wirklich super gerne. Weiter so! =D

    Ganz liebe Grüße
    Leni =)

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    1. Hey, nein leider nicht das kann ich nicht, manchmal kann ich tagelang nicht schreiben und manchmal schreibe ich mehrere Kapitel aufeinmal, ich versuche das ganze aber im ramen zu halten!
      Es freut mich dass es dir gefällt!
      Clara

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