Dienstag, 1. März 2016

Welche Maske darf es sein, Miss? - Kurzgeschichte Teil 7


Hey, naaaa ihr süßen kleinen Racker :D
Es geht langsam ins Finale! Das hier ist das vorletzte Kapitel, also genießt es ;) Viel Spaß beim Lesen und hier auch der Link zu den anderen Kapiteln!

Küsschen, Clara


-7-

Ich konnte nicht mehr. Die Frau hatte ich schon seit längerer Zeit aus den Augen verloren. Trotzdem rannte ich immer weiter. Ich hatte so viel Wut in mir angestaut und es tat gut zu rennen. Das Telefonat mit meiner Mutter hatte mich schon aufgeregt, aber das hier war nun wirklich die Spitze. Na ja, ich war selber schuld, das Ganze war einfach zu schön um wahr zu sein und ich hätte etwas merken sollen.
Ich rannte und rannte, angetrieben von meiner Wut und dem Adrenalin, das mir durch die Adern rauschte. Irgendwann, am rennen war ich schon lange nicht mehr und es war schon dunkel, landete ich vor dem Hochhaus, in dem mein Loft war. Ich trat durch die automatische Tür ein und würdigte den Portier keines Blickes. Er hielt mir den Aufzug auf und ich trat ein. Er kannte mich schon gut und ich war auch normalerweise immer sehr höflich zu ihm, deswegen fragte er mich wohl, ob alles in Ordnung sei.
„Jaja, alles bestens!“, erwiderte ich patzig und fügte bestimmend hinzu: „Ich möchte nicht gestört werden, auch von meiner Mutter oder Lilian nicht!“
„Wie sie wünschen.“, sagte der etwas ältere Mann mit einem beunruhigten Blick. Ich schaute nur grimmig geradeaus und wartete darauf, dass sich die Aufzugtüren schlossen. Sobald das geschah, gaben meine Knie nach und ich rutschte an der kalten Metallwand in die Hocke. Ich hatte es mit dem Rennen wohl etwas übertrieben. Mein Handy vibrierte erneut und ich erschrak. Wütend öffnete ich die Rückseite und zog den Akku raus. Ich hatte wirklich genug von der Welt für heute. Auf der obersten Etage angekommen, schleppte ich mich in meine Wohnung und ließ mich auf das große Wasserbett fallen, das am anderen Ende des Wohnraums hinter einem Paravent stand. Ich war am Ende mit meinen Nerven und konnte nun endlich ungestört weinen. Aber die Tränen kamen nicht. Es setzte sich eine betäubende Gleichgültigkeit ein, gefolgt von unendlicher Müdigkeit. Ich hatte mich in meinem Leben zu oft mit solchen Menschen auseinandersetzten müssen und war es satt, mich von so etwas kaputt machen zu lassen. Meine Augenlider wurden schwer und ich fiel in einen langen traumlosen Schlaf.

* * *

Ich wurde durch die Sonnenstrahlen geweckt und hatte eigentlich vor, den ganzen Tag lang nichts zu machen. Doch dann gab ich mir einen Ruck. Ich hatte nicht vor, mir von so einer Scheiße den Tag versauen zu lassen. Also stand ich auf, duschte, zog mich um, schminkte mich und bereitete Frühstück vor.
Mein Handy zeigte 7 verpasste Anrufe von meiner Mutter an und 3 weitere von Lilian. Ich konnte mir gut denken, wie mich die Klatschpresse zerriss in ihren Artikeln und hatte wirklich keine Lust auf die Moralpredigten meiner Managerin oder Mutter.
Ich füllte Kaffee in eine kleine Thermoskanne und zog mir Schuhe und Jacke an. Ich wusste genau, wo ich jetzt hin musste, um mich besser zu fühlen.
Doch als ich vor der Buchhandlung stand, zögerte ich. Es fühlte sich nicht mehr so an wie vorher. Das hier was mein geheimer Ort, doch er war hier gewesen, in meinen Wohlfühlort eingedrungen. Die Erinnerungen an ihn machten mich traurig. Ernüchterung trat ein und ich versuchte mir weiter einzureden, dass ich stärker war und dass es mir nichts ausmachte. Ich drückte die Tür auf und sog die staubige, nach gebleichten Seiten riechende Luft ein. Es tat doch gut hier zu sein.
Ich lief durch das Labyrinth an Bücherregalen, an Ullrich vorbei und die Wendeltreppe hoch. Der Raum war lichtdurchflutet, denn es war ein sonniger Tag.
Ullrichs Frau, Sybille, warf mir einen vielsagenden Blick zu. Mit einem unmerklichen Lächeln auf den Lippen fragte sie beiläufig: „Wo ist denn dein Traumprinz?“
Ich schaute sie an und verdrehte die Augen. „Hoffentlich fällt er gerade eine Treppe runter!“, erwiederte ich.
Sie warf mir einen belustigten Blick zu, schien aber gemerkt zu haben, dass mir das Thema unangenehm war und beließ es dabei. Stattdessen gab sie mir eine Zimtschnecke und ließ mich in Ruhe mein Buch lesen. Nach circa einer Stunde und 5 Kapiteln, hatte ich mich beruhigt und war wieder zu meinem alten Ich zurückgekehrt. In der Zwischenzeit waren einige andere Menschen zum Lesen gekommen, von denen ich keine Notiz genommen hatte.  Doch nun, als ich mir gerade einen neuen Kaffee einschenken wollte, kam jemand die Wendeltreppe hochgerannt, der mich komplett aus der Fassung brachte.
Fassungslos schaute ich Goerge an. Das war ja wohl nicht sein Ernst, oder?!
„Na, du hast ja Eier, hier wieder aufzukreuzen!“, warf ich ihm wütend entgegen und begann sofort meine Sachen zu packen.
„Bea, hör mir bitte zu, du hast etwas komplett falsch verstanden! Ich wusste nichts von der Frau gestern...“
„Wag es ja nicht.“, schnitt ich ihm das Wort ab. Ich stand auf und lief langsam auf ihn zu. „Wag es ja nicht, mir mit irgendwelchen dummen Entschuldigungen zu kommen! Ich hab dir vertraut! Denk nicht mal daran nochmal in meine Nähe zu kommen, ansonsten kannst du was erleben!“, zischte ich ihn bedrohlich an.
Er schien nach Worten zu suchen und ich ergriff die Chance und flüchtete in Richtung Wendeltreppe. Ich wollte nicht, dass er sah, wie ich seinetwegen nun doch weinen musste. Ich konnte es einfach nicht ertragen zu sehen, wie er immer noch versuchte sich gut mit mir zu stellen und befürchtete, dass nun draußen vor der Tür weitere Kameras auf mich warten würden. Wie hatte ich nur so dumm sein können?
Ich rannte auf die Tür zu und floh aus dem Laden. Zu meiner Verwunderung war der Bürgersteig leer, aber das hielt mich nicht davon ab weiter zu rennen.

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Kommentare:

  1. Verdammich da hatte ich so wenig Zeit das ich sogar den 6ten Teil verpasst habe. Dafür hab ich mich umso mehr gefreut jetzt so viel lesen zu können. Man du hast echt Talent und solltest die Geschichte selbst vermarkten oder wenn sie fertig ist einem Verlag zu schicken. Ich bin total begeistert! Wenn es soweit ist möchte ich bitte ein signiertes Exemplar haben :P
    Freu mich darauf wie es weiter geht!

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  2. Haha dass ist süß von dir :) Freut mich richtig, dass es dir so gefallen hat!

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