Mittwoch, 31. August 2016

[Manga Review] Parasyte - Kiseijuu 01


Cover: Panini
♥ Titel: Parasyte - Kiseijuu (Band 01)
♥ OT: Kiseijuu
♥ Mangaka: Hitoshi Iwaaki
♥ Verlag: Panini
♥ Preis: 8,99€
♥ Seiten: 278
♥ Bände: bisher 1 (insg. 8 in Japan)
♥ Erscheinungsjahr: ab 2016 (D)
♥ Genres: Action, Psychological, Fantasy, Horror, Mystery
♥ Für Fans von: Tokyo Ghoul, Ajin

Parasyte ist nun schon mein zweiter Manga von Panini. Zunächst hat mich die Reihe gar nicht interessiert, aber dann haben doch meine Neugier und die vielen Lobeshymnen auf den Anime gesiegt. Definitiv die richtige Entscheidung, denn ich kann den Manga nur bestens empfehlen!



♥ Cover & Ausstattung ♥

Panini hat sich bei dieser Reihe wirklich Mühe gegeben. Der erste Band ist überdurchschnittlich dick und hat für ein Taschenbuch einen sehr festen, hochwertigen Einband. Auch die weitere Ausstattung kann sich sehen lassen, denn neben Paninis Großformat, bekommen wir noch stolze 14 Farbseiten, die über den Band verteilt sind! Das in schwarz-rot gehaltene Cover ist an sich schon ein Eyecatcher: Abgebildet ist Migi, ein Parasit, der die Hand eines Jungen befallen hat. Das Ganze sieht so skurril aus, dass es neugierig auf den Inhalt dieser Reihe macht. Der Schriftzug ist auf dem Cover in einem metallischen Silber gehalten und auf dem Buchrücken in blutrot aufgedruckt, passend zu den Farben des Covers, was einfach nur edel aussieht. Zusätzlich hat ein zentrales Zitat aus dem Manga einen Platz über der Illustration erhalten. Insgesamt eine sehr hochwertige Ausstattung, die sich wirklich sehen lassen kann und für die der Preis von fast 9€  absolut gerechtfertigt ist! Einziger Kritikpunkt ist wohl die Beschichtungsfolie, die sich bei vielen Exemplaren ein wenig vom Band ablöst, aber das finde ich nicht weiter schlimm.


♥ Inhalt ♥

Woher die außerirdischen Parasiten kamen, weiß keiner. Sie dringen in menschliche Körper ein, nehmen deren Gehirne in Besitz und fangen an, andere Menschen zu überfallen, um sie zu fressen. Doch bei Schüler Shin’ichi Izumi ist es anders. Zwar wird auch er von einem besonders lernbegierigen Parasiten befallen, der sich selbst Migi nennt, doch der schafft es nicht, das Gehirn des Schülers zu übernehmen. Stattdessen nistet er sich in seiner rechten Hand ein, sodass sich zwischen den beiden eine bizarre Form von Koexistenz entspinnt. Gemeinsam stürzen sie sich in den großen Kampf gegen die mörderischen Parasiten. (Quelle: Panini)


♥ Umsetzung ♥

Mit Parasyte hat Mangaka Hitoshi Iwaaki einen sehr vielseitigen Manga geschaffen. Man könnte davon ausgehen, dass es sich hierbei nur um eine einfache Horrorgeschichte mit viel Splatter handelt, die darauf ausgelegt ist, ihre Leser zu schocken. Parasyte ist aber so viel mehr als das. Neben den Horror- und Actionelementen gibt es zahlreiche lustige Szenen, die von unbeschwertem, über skurrilem, bis hin zu schwarzem Humor alles abdecken. So stellt Shin'ichi bspw nach dem Aufwachen fest, dass seine Hand bereits wach ist und ein Buch über Fische liest. Ob die Handlung einfach nur komplett verrückt und abgehoben oder aber schlicht genial ist - die Grenzen in dieser Reihe verschwimmen.

Neben den zahlreichen gut inszenierten Kämpfen, die sich stets keinesfalls auf ein simples aufeinander Einprügeln beschränken, sondern immer einen Funken Strategie und Cleverness voraussetzen, gibt es aber vor allem einen Handlungsaspekt, der meiner Meinung nach besonders heraussticht und Parasyte zu etwas ganz Besonderem macht: Der ethische Aspekt, nämlich die verschiedenen Weltanschauungen und die multiplen Auffassungen von Richtig und Falsch. Der Mensch sieht sich als Krone der Schöpfung oder anders gesagt als das Ende der Nahrungskette. Was also passiert, wenn sich ein neuer Akteur in diese geregelte Ordnung einfügt - sich hineindrängt? Die Aliens besiedeln den Menschen, nutzen ihn als Wirt und Organismus, um ihr eigenes Überleben zu sichern und fressen andere normale Menschen, um ihren Hunger zu stillen. Shin'ichis Parasit Migi versteht allerdings seine Aufregung um diese Entwicklung nicht. Warum es als Kannibalismus bezeichnen, wenn die Aliens eine komplett neue Spezies erschaffen und die niedrigere Spezies verspeisen? Warum ihr Handeln als falsch betiteln, wenn sie nur das Gleiche tun wie der Mensch, der sogar noch einen Schritt weiter geht und Tiere zugunsten seines eigenen Überlebens züchtet, schlachtet sowie verzehrt? Was soll falsch daran sein, das einzige Wesen auszurotten, das der Welt Schaden zufügt und sie zerstört? Es ist interessant zu sehen, was passiert, wenn der Mensch plötzlich nicht mehr an der Spitze steht und sein Überleben von einer "höheren" Spezies bedroht wird. Er lehnt sich auf und bezeichnet sie als das Böse, obwohl er bei näherer Betrachtung gar kein Recht dazu hat und zu viel grausameren Dingen fähig ist.


"Shin'ichi... Ich weiß aus Büchern, was 'Teufel' sind. Aber ich glaube, am nächsten kommt dieser Beschreibung der Mensch!"

~ Parasyte, Band 1 - Migi über den Menschen ~


Die Gesellschaftskritik und das ethische Dilemma, die aus diesem Manga sprechen, verleihen der Alien-Thematik einen sehr bitteren Unterton und zudem eine zynische Note, die mich sehr überrascht haben. Dass der Mensch sich im Mittelpunkt der Schöpfungsgeschichte und als einzig wahren Herrscher über die Welt sieht, ist eine Anmaßung, deren Problematik Parasyte wirklich auf den Punkt beschreibt und spannend verpackt. Ich bin nach dem Lesen des Mangas wirklich nachdenklich geworden, warum wir uns - als ein Lebewesen von vielen - anmaßen, über andere Lebewesen zu verfügen und sie zu unserem eigenen Vorteil zu nutzen - sie zu missbrauchen. Warum wir Tiere zu unmöglichen Bedingungen einpferchen müssen, nur um sie umzubringen und zu verzehren. Mir ist klar, dass wir schlecht zu prähistorischen Methoden zurückkehren können, in eine Zeit, als unsere "Nahrung" noch nicht gezüchtet worden ist und die Menschen noch auf die Jagd gehen mussten wie jedes andere Tier auch. Ja, ich schreibe hier ganz bewusst "Tier", denn wir sind Säugetiere und ich finde es falsch, dermaßen stark dazwischen zu differenzieren, bloß weil wir intelligent veranlagt sind und nicht draußen herumlaufen wie wir dem Mutterleib entsprungen sind. Warum dürfen wir also über das Leben eines anderen Lebewesens bestimmen?

Das gleiche Problem entsteht ja bei näherer Betrachtung auch, wenn wir ein Insekt töten, obwohl es einfach nur friedlich in unserem Haus sitzt. Aber es sitzt halt eben an der Wand und das gibt uns das Recht draufzuschlagen. Nichts anderes ist es doch mit den Parasiten in Parasyte - Kiseijuu, die die Menschen meist noch nicht einmal zum Spaß töten, sondern um ihren Hunger zu stillen. Ich finde es gut, dass Hitoshi Iwaaki in seinem Manga darauf aufmerksam macht, dass ein solches Lebewesen nicht abgrundtief böse wäre, sondern der Mensch, im Gegenteil, gar nicht erst das Recht hätte, sich zu beschweren - was den Manga aber natürlich nicht minder gruselig macht und es auch nicht rechtfertigt andere Lebewesen abzuschlachten. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine. ;)

Natürlich möchte ich auch nicht von einer Mücke gestochen werden, die in mein Haus "eingedrungen" ist, aber ich muss zugeben, dass ich mich seit dem Lesen dieses Mangas schlecht fühle, wenn ich daran denke, dass man einfach seine Fliegenklatsche rausholt und zuschlägt. Es geht schon so weit, dass ich jetzt immer stattdessen die Spinnen in meinem Zimmer mit einem Stück Papier aufsammle und dann nach draußen setze... ich hoffe einfach mal, dass mich dabei keiner sieht. XD

Versteht mich nicht falsch - ich möchte euch hier keinesfalls predigen, dass ich seit dem Lesen dieses Mangas ein besserer Mensch geworden sei und nun ein umweltbewusstes Leben führe. Man könnte mich nun wirklich nicht als fanatische Umweltaktivistin beschreiben. Trotzdem hat mich Parasyte sehr nachdenklich gestimmt und dazu gebracht so einiges zu hinterfragen, das mit uns Menschen und unserem Umgang mit der Welt zu tun hat, wodurch dieser Manga, was diesen Aspekt angeht, noch einen Schritt weiter geht als bspw Tokyo Ghoul und ihn für mich sehr besonders macht.


♥ Charaktere ♥

Die Story von Parasyte wird eher von den Action-, Comedy- und Horrorelementen sowie der verstärkten Gesellschaftskritik getragen, als dass besonderen Wert auf die Charaktere gelegt würde. Mit Shin'ichi haben wir eher den typischen Shounen-Helden -  den Teenager, der plötzlich in mysteriöse Vorkommnisse verstrickt wird und übernatürlich Kräfte entwickelt. Er ist definitiv kein schlechter Charakter, aber eher 08/15 und bleibt im ersten Band noch recht blass. Dies kann sich natürlich im Laufe der Reihe noch ändern. Etwas Charakterentwicklung wäre daher wünschenswert.

Toll finde ich dagegen Migi, den Parasiten, der Shin'ichis Hand besiedelt. Für mich ist er der heimliche Held der Geschichte. In der Nacht, als die Aliens auf die Erde kamen, wollte er das Gehirn des Jungen einnehmen, scheiterte jedoch und fristet seitdem ein inkomplettes Dasein als abnormale Hand. Da er sterben würde, wenn Shin'ichi etwas zustieße, beschützt er den recht wehrlosen Jungen und kommt gut mit ihm aus - allerdings würde er trotzdem sofort sein Gehirn einnehmen, sollte sich jemals die Gelegenheit bieten. Als Alien ist Migi sehr weltfremd und über ein Gewissen sowie Empathie verfügt er nicht. Daher kommt es von seiner Seite immer wieder zu trockenen Äußerungen und Verständnisproblemen, wodurch sich Shin'ichi zunehmend Gedanken über die Richtigkeit des menschlichen Handelns macht. Zudem kommt es beim Erwachen Migis immer wieder zu lustigen Zwischenfällen, wenn Shin'ichi mal wieder keine Kontrolle über seine Hand hat. Wer braucht schon eine fliegende Katze als Sidekick, wenn diese parasitäre Hand doch viel unterhaltsamer ist?^^


♥ Artwork (Zeichnungen) ♥

Da der Manga aus den 90ern stammt, hat der Zeichenstil eine entsprechend altmodische Optik. Dennoch finde ich ihn wirklich gut! Mir gefällt dieser eher realistische Stil, der detailliert, aber trotzdem sauber und ohne Schnörkel daherkommt. Iwaaki zeichnet sehr dynamisch, was besonders in den Actionszenen fantastisch aussieht. Dagegen sind horror- und splatterlastige Panels schön gruselig und mit einer geradezu nüchtern wirkenden Brutalität versehen. Die Klamotten im Manga könnten übrigens genauso gut aus einem aktuellen Manga stammen - insbesondere die der Mädchen. Der Manga ist nämlich so alt, dass Highwaist-Shorts und in den Hosenbund gestopfte Shirts schon wieder in sind. XD


♥ Fazit ♥

Ein überdurchschnittlich dicker Manga mit überdurchschnittlich guter Story! Der Verlag hat hier wirklich ein fantastisches De-Release abgeliefert und diesem doch schon sehr alten Werk eine Chance gegeben auch bei uns Fuß zu fassen. Für mich definitiv die Manga-Entdeckung des Jahres und schon jetzt einer meiner absoluten Favoriten! Den Anime werde ich mir so bald wie möglich ebenfalls anschauen und ich freue mich schon sehr auf die nächsten Bände.


Wertung: 5/5





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