Dienstag, 10. Januar 2017

[Filmrezension] Smaragdgrün ~ Ein mehr als enttäuschender Abschluss ~


Achtung! Enhält massive Spoiler zu den ersten beiden Teilen Rubinrot und Saphirblau sowie zur Handlung des Films Smaragdgrün!

Ins Kino hatte ich es für den letzten Teil leider nicht geschafft, sodass ich auf die DVD-Veröffentlichung gewartet habe. 





♥ Titel: Smaragdgrün (Teil 3)
♥ Produktion: mem-Film u.a.
♥ Produktionsjahr: 2016
♥ Spielzeit: 107min
♥ Genres: Fantasy, Liebesdrama


Die Edelstein-Trilogie gehört seit Erscheinen des ersten Bandes zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. So war ich sehr gespannt und aufge- regt auf die geplante Filmtrilogie. Denn ist es nicht der Traum eines jeden Bücherwurms, eines Tages sein ganz persönliches Lieblingsbuch auf der großen Leinwand zu sehen? Warum ich letztendlich bitter ent- täuscht von diesem Abschluss war, erfahrt ihr in dieser Rezension.



♥ Inhalt ♥


Gwendolyn (Maria Ehrich) ist am Boden zerstört. War Gideons (Jannis Niewöhner) Liebesgeständnis nur eine Farce, um ihrem großen Gegenspieler, dem düsteren Graf von Saint Germain (Peter Simonischek), in die Hände zu spielen? Fast sieht es für die junge Zeitreisende so aus. Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das Gwens Weltbild einmal mehr auf den Kopf stellt. Für sie und Gideon beginnt eine atemberaubende Flucht in die Vergangenheit. Rauschende Ballnächte und wilde Verfolgungsjagden erwarten die Heldin wider Willen und über allem steht die Frage, ob man ein gebrochenes Herz wirklich heilen kann...

(Cover & Text: Concorde)



♥ Ausstattung der DVD ♥


Das äußere Design der DVD-Hülle passt perfekt zu den anderen beiden Filmen. Das Cover finde ich zwar weniger gelungen als das der Vorgänger, aber da die Gestaltung generell nie ganz meinem Geschmack entsprochen hat, finde ich das nicht so schlimm. Die DVD verfügt allerdings wieder über ein Wendecover ohne FSK-Logo, was ich immer super finde! Die DVD enthält neben dem Hauptfilm 63min Bonusmaterial, u.a. ein alternatives Ende und ein Making-of.



♥ Meine Meinung ♥


Was war das bitte?

Als großer Fan der Bücher habe ich die ersten beiden Filme geliebt - und das, obwohl es schon da so einige Änderungen gab, was die Story und die Reihenfolge der Ereignisse angeht. Es sind einfach schöne Filme, die die Geschichte rund um Gwen, Gideon und ihre Zeitreisen lose erzählen und als eigenständiges Werk funktionieren. Man sollte die Filme zwar getrennt von den Büchern bewerten, da es sich keinesfalls um eine 1:1 Umsetzung handelt, aber die Regisseure Felix Fuchssteiner und Katharina Schöde haben damals ihre ganz eigene Interpretation von Rubinrot und Saphirblau geschaffen,  in denen es sogar für Fans der Bücher noch jede Menge neue Szenen und Spannungselemente zu sehen gab.

Obwohl es sich um deutsche Verfilmungen handelt und dementsprechend einfach nicht die allerfeinste Technik, die kostspieligsten Special Effects und nicht durchweg schauspielerische Meisterleistungen zu erwarten sind, haben diese beiden Filme einfach Spaß gemacht. Man hatte das Gefühl eine alternative, auf eine andere Art und Weise wunderschön inszenierte Version der Geschichte zu erleben. Von diesem Zauber, der die ersten beiden Filme ausgemacht hat, diesem losen Handlungsgerüst der Bücher, das dort zumindest noch vohanden war, fehlt im dritten Teil leider jegliche Spur.

Schon von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass dieser Film sehr viel liebloser und undurchdachter daherkommt als seine Vorgänger. Das liegt zum einen an den flachen, sich wiederholenden Dialogen, die stellenweise einfach lächerlich wirken, zum anderen an der grottigen Schauspielkunst einiger Darsteller. Die Hauptrollen Gwen (Maria Ehrich) und Gideon (Jannis Niewöhner) sowie Gwens Cousine Charlotte (Laura Berlin) haben ihre Sache von Anfang an gut gemacht, sich jedoch in Saphirblau so sehr gesteigert, dass es sich im letzten Teil vergleichsweise wie ein Rückschritt anfühlte. Weitere gut besetzte Rollen waren unter anderem Paul de Villiers (Florian Bartholomäi), Mr Bernhard (Johannes Silberschneider), James (Kostja Ullmann) und Tante Maddy (Katharina Thalbach), doch auch sie konnten für mich nicht wirklich etwas Rausreißen. Andere Charaktere wie Lucy (Josephine Preuß) und Leslie (Jennifer Lotsi) haben nämlich mit ihrem Overacting einfach nur noch genervt und sogar der kleine Wasserspeier Xemerius (Stimme von Rufus Beck) wurde mir mehr als unsympathisch. Wobei man anmerken muss, dass Leslie zum Schluss kaum noch dabei war und eher durch Charlotte ersetzt wurde.

Prinzipiell fand ich es toll, dass zB Mr Bernhard nun eine größere Rolle bekommen hat oder Charlotte zu den Guten überwechselt, denn das war sehr erfrischend! Zusätzlich wurden aber zwanghaft neue Rollen mit namenhaften Berühmtheiten (Emilia Schüle, Chris Tall) eingebaut und dafür jede Menge Rollen gestrichen, die eigentlich zu einem guten und runden Abschluss gefehlt haben: Grace Montrose in der Mutterrolle, Gwens Großvater Lucas und Mr George sind Figuren aus den ersten Teilen, denen ursprünglich eine große Wichtigkeit zugeschrieben wurde. In Smaragdgrün werden sie aber bis auf eine Ausnahme nicht einmal mehr erwähnt. Da fragt man sich doch: Wo ist die Frau, die sich 16 Jahre lang wie eine Mutter um Gwen gekümmert hat, während diese nun in ernsthaften Schwierigkeiten steckt? Um Veronica Ferres als Schauspielerin habe ich jedoch nicht getrauert, da sie von Anfang an nicht in die Rolle gepasst hat.

Neben den fraglichen schauspielerischen Leistungen und Rollenkürzungen haben mich allerdings auch so gut wie alle Szenen in diesem Film gestört oder in ein verzweifeltes Lachen getrieben. Ja, es gab einige lustige oder romantische Momente, die den alten Charme der Filme haben durchblicken lassen. Diese halten sich allerdings sehr in Grenzen. Es überwiegen stattdessen seltsam inszenierte Szenen, komplett durcheinandergewürfelte Handlungsstränge, die nichts mehr mit der ursprünglichen Story zu tun haben, und vor allem eines: Plotholes und Logikfehler ohne Ende. Bei Zeitreisegeschichten besteht das allgemeine Problem, dass diese sehr komplex werden können und man an das ein oder andere Paradoxon gerät. In diesem Fall sind die Drehbuchautoren nun wirklich in jede Falle getreten, die sie finden konnten. Mal angefangen damit, dass Gwen in eine Zeit zurückreist, in der sie bereits anwesend und somit nun doppelt vorhanden ist, später aber nur eine Gwen zurückreist und sich die andere scheinbar in Luft aufgelöst hat. Dann die Veränderung der Vergangenheit, somit auch der Gegenwart und Zukunft. Kann man etwas ungeschehen machen, dass bereits passiert ist? In diesem Film ja. Daran ist ja auch nichts schlimmes, solange die nachfolgenden Ereignisse dann auch wirklich umgeschrieben und die Erinnerungen der Anderen ausgetauscht werden. In diesem Fall ist es allerdings so, dass sich alle noch an die nun veränderte Zeitlinie erinnern können, was im Zusammenhang einfach keinen Sinn ergeben hat und in den Büchern - James betreffend - auch deutlich besser gelöst wurde.

Schlimm fand ich auch die zwanghafte Aneinandereihung von Actionszenen, moderner Elemente und Überdramatisierung. Der komplette Film verlief dadurch für mich sehr antiklimatisch. Es gibt einfach keine Spannungskurve, weil ständig irgendetwas zwanghaft spannendes passiert oder neue unnötige Handlungsebenen eingebaut wurden. So wird zum Beispiel eine Weltwirtschaftskrise aus dem Hut gezaubert. Gwen mutiert gegen Ende des Filmes nicht nur innerhalb weniger Tage zum Karate Kid, sondern auch zur Agentin im schwarzen Lederanzug, Superheldin, Superzeitreisenden und Retterin der Welt, die ständig neue coole Superkräfte entwickelt. Dabei handelt sie komplett hirnlos und unnachvollziehbar (Ich sage nur: Unsterblichkeit austesten, indem man sich selbst ein Messer in den Bauch rammt. Obwohl sie im Falle eines frei gewählten Todes nicht unsterblich ist. Hä?). Und wenn ich von skrupellosen Männern mit Pistolen verfolgt würde, die meinen Tod wollen, würde ich auch erst mal auf einem freien Platz mitten vor dem Haus stehen bleiben, um über meine Gefühle zu quatschen und ein bisschen Smalltalk zu führen. Ist klar. Außerdem werden die Rückbezüge zu den ersten beiden Filmen schlichtweg vergessen. Eine Erwähnung des Vorfalls aus Rubinrot bezüglich Gwens Unsterblichkeit - Fehlanzeige. Aufgreifen der Szene aus Rubinrot, in der sich Gwen selbst auf einer Party mit Gideon sieht - Fehlanzeige. Kennen die Drehbuchautoren ihre eigenen Filme überhaupt?

Dass der Film schließlich auf ein ganz anderes Ende zusteuert, als man es von den Büchern gewöhnt ist, würde mich nicht einmal stören - wäre es nur gut inszeniert und durchdacht. Allein die Enthüllung über die wahre Identität des Grafen von Saint Germain verlief jedoch so antiklimatisch und unlogisch, dass ich am liebsten die DVD pausiert und erst einmal laut losgelacht hätte. Noch dazu werden mindestens zwei weitere Szenen gezeigt, in denen praktisch eine wiederholte Enthüllung stattfindet - praktisch für Dumme, die es bis dahin nicht gecheckt haben. Noch dazu stibt ein sehr wichtiger Charakter, der ursprünglich nicht hätte sterben sollen. Die Themen Tod und Verlust werden dann so unsensibel und gefühllos dargestellt, dass es mich echt geärgert hat. Noch dazu, wenn eine Person, die demjenigen sehr nahestand, weiterhin herumalbert und Witze reißt als wäre nichts passiert, was absolut unnnachvollziehbar ist. Das Ende an sich wirkte dann ziemlich heruntergerasselt und langweilig. Es kam mir vor wie mal eben schnell gedreht und dann Feierabend. Das alternative Ende fand ich sogar noch um einiges schimmer, obwohl es dem Originalende näherkommt. Lieblos, wenig romantisch und einfach kein würdiger Abschluss. So lässt sich der komplette Film umschreiben.



♥ Fazit ♥


Grausige und platte Dialoge, mehr Plotholes als gute Schauspieler, schlecht durchdachte Story und viel zu viele Wtf-Momente. Ein großes Durcheinander von Film, in den man gefühlt alles reinpacken wollte, und letztendlich nichts davon vernünftig umsetzen konnte. Der einzige Zauber, der von Rubinrot und Saphirblau übriggeblieben ist, ist die fantastische Musik von Philipp F. Kölmel.

Obwohl es einige ganz nette Szenen und beeindruckende Landschaftsaufnahmen gibt, hat dieser letzte Film mit den Büchern oder den ersten beiden Filmen nichts mehr zu tun und ist weit davon entfernt ein würdiger Abschluss zu sein. Ich hasse es so sehr, wenn ein letzter Teil mir eine komplette Reihe vermiest und bin deshalb mehr als enttäuscht von diesem zerstörten Ende.



Bewertung:
gerade noch 2/5






Die Filmreihe:





Kommentare:

  1. *sitzt da und nickt*

    Absolut! Also: ich mochte den ersten Teil jetzt auch nicht sooo, aber er war okay für mich. Teil 2... joa, ging auch noch. Aber der hier hat den Vogel echt ein bisschen abgeschossen. In ihrem Kostüm am Ende und... das war einfach alles too much und ich hab öfters lachen müssen, obwohl es nichts zum Lachen gab. >__<

    Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Kerstin Gier ehr unzufrieden war mit den Drehbüchern und ich würde das so verstehen! Die Bücher sind viiiiiel besser und auch wenn ich nichts gegen den Freiraum von Filmemachern habe, war er hier echt schlecht genutzt.

    Aber ich habe Lust bekommen die Bücher noch mal zu lesen. =D

    Schöne Zusammenfassung von dir, ich kann deine Gefühle echt gut nachvollziehen! =)

    *knuff*
    Bianca

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    1. Hey Bianca,

      danke für dein liebes Feedback. Für mich sind die Filme halt Welten von der Qualität der Bücher entfernt, aber die ersten beiden fand ich trotzdem gut. Ich musste bei Smaragdgrün auch oft unfreiwillig lachen. >.< Als Autorin kann man letztendlich dann leider nicht mehr mitreden, sobald die Filmrechte verkauft sind - leider. Es sei denn man heißt Rowling. ;) Ich finde auch, solange Änderungen Sinn machen, warum nicht, aber das hier war einfach nichts, da hätte man sich mehr an die Buchvorlage halten sollen. Die ist nicht umsonst ein Bestseller.

      *knuddel*
      Lena ♥

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  2. Hey =)

    Am besten fand ich Mr. Bernhards Auto ^^. Wer hätte das gedacht? Total cool.
    Ich finde deine Rezi total unterhaltsam und vieles kann ich bestätigen. Insgesamt war ich aber weniger aufgebracht ^^. Der Abschluss war ok, nicht mehr nicht weniger =)

    LG
    Anja

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    1. Ja, das Auto fand ich tatsächlich auch sehr cool. Mr Bernard war auch im letzten Teil noch eine sehr sympathische Figur.

      Liebe Grüße
      Lena ♥

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