Mittwoch, 25. Januar 2017

Fuck Reality - Kurzgeschichte Kapitel 6



Hey ihr,

lang ist es her, dass das letzte Kapitel dieser Kurzgeschichte erschienen ist, aber da ich jetzt wieder drin bin, gehts natürlich weiter! Hier gehts zu den anderen Kapiteln.

Ich wünsche euch wie immer viel Spaß beim Lesen!

Küsschen, Clara



6. Kapitel


Er zog fragend die Augenbrauen hoch, doch ihr Grinsen wurde nur noch breiter. Sie nickte mit ihrem Kinn ungefähr in seine Richtung, auf etwas hinter ihm. Er drehte sich um und sah gerade noch, wie eine riesige Lichtkugel auf den Drachen, der seinen Käfig hielt, zukam, bevor er durch die Erschütterung des Aufpralls durch den Käfig geschleudert wurde. Der Drache schien seinen Käfig losgelassen zu haben und er befand sich in freiem Fall. Panisch versuchte er sich zu drehen, doch er hatte bereits jegliche Orientierung verloren. Er wurde gegen die Käfigdecke gedrückt und hielt sich krampfhaft an den Gittersstäben fest. Sein Magen zog sich zusammen und er schloss die Augen. Was, wenn das mit den Schmerzen im Reallife kein Bug gewesen war ... dann musste er sich jetzt auf einiges mehr einstellen!
Plötzlich merkte er, dass der Käfig langsamer fiel und er zurück auf den Käfigboden fiel. Er schaute sich um und sah an den obersten Gitterstäben ein neues Paar Krallen. Sie waren um einiges kleiner als die Krallen des Drachen, der ihn voher durch die Luft getragen hatte. Das Wesen, das sich da festhielt, schien auch nicht so stark wie der Drache zu sein, denn auch, wenn er langsamer fiel, so blieb sein Käfig dennoch nicht stehen und er bewegte sich weiter gnadenlos in Richtung Boden. Ein weiteres Paar Krallen griff nach seinem Käfig, doch noch immer bewegte sich der Käfig nach unten. Er schaute runter und sah, wie die Erde auf ihn zukam.
Einige Sekunden später knallte er auf dem Boden auf. Geistesgegenwärtig war er genau im richtigen Moment gesprungen, um den Schaden zu minimieren und es schien auch um einiges sanfter vonstatten gegangen zu sein, als er befürchtet hatte. Beim Aufprall war die Käfigtür aufgesprungen und er rollte sich nun, sehr vorsichtig, aus dem Käfig. 
Als er sich aufrichtete, fand er sich einem gold-roten, vogelähnlichen Wesen gegenüber, das einen Meter größer war als er, auf dessen Rücken die Frau aus dem anderen Käfig elegant saß. Andächtig beobachtete er dieses Paar. Ein grollendes Brüllen riss ihn aus seinem Staunen und ihre Augen weiteten sich aufgeregt. Sie streckte eine Hand nach ihm aus und er lief ihr zögerlich entgegen. Er ergriff ihre Hand und mit einer unerwarteten Kraft zog sie ihn mit einem Ruck hinter sich auf den Rücken des schönen Tiers. Die Frau schnalzte mit der Zunge und augenblicklich stieß sich der überdimensionierte Pfau vom Boden ab und breitete seine Schwingen aus. Sie blieben nah am Boden und flogen um die hohen, moosbewachsenen Bäume. Viele türkise Seen und Wasserlöcher, in denen sich die einzelnen Sonnenstrahlen, die es schafften sich durch das dichte Blätterdach zu kämpfen, brachten den Wald zum Funkeln. Bis auf das nun entferntere, donnerschlag-ähnliche Brüllen des Drachen, verschluckte der Wald sämtliche Geräusche, wodurch eine fast gespenstige Stille herrschte.
Sie flogen eine Weile, ohne ein Wort zu wechseln. Schließlich kamen sie bei einer Reihe Bäume an, die größer und ausladender waren als der Rest der Bäume. Unter den Baumkronen war ein wirres Netz an Hängebrücken, Flaschenzügen, Seilbahnen und Holzstegen zwischen vielen kleinen, runden, kapselartigen Häusern gespannt. Im Zentrum war ein etwas größerer Platz aus verflochtenen Holzplanken, auf dem ihr Reittier landete und sie absteigen ließ. Ihnen folgten einige weiter anfliegende Tiere, die auch ihre Reiter auf dem Platz absetzten. Als sie standen, merkte er, dass er um einiges größer als seine Retter war und nun, ziemlich fehl am Platz, über sie hinausragte und ziemlich unbeholfen zwischen dem geschäftigen Getümmel auf dem Platz stand. Die anderen Leute, die um ihn herum wuselten, schienen sich nicht für ihn zu interessieren und in dem ganzen Getümmel verlor er die Frau, mit der er hergeflogen war, aus den Augen. Eine Hand berührte ihn sanft an der Schulter und er drehte sich schnell um und blickte in ihre dunklen Augen.
"Komm mit", sagte sie mit einem feinen Akzent. Also sprach sie doch seine Sprache. Sie lief mit schnellen, eleganten Schritten gekonnt vor ihm durch das Labyrinth an Brücken, Kugel-Häusern und deren Bewohnern. Er hatte große Schwierigkeiten ihr zu folgen. Schließlich hielt sie vor einem dieser Häuser, am Rand der Baumstadt. Sie wies mit ihrem Kinn auf das Haus und sagte: "Du musst müde sein. Hier kannst du ausruhen." Sie hatte eine sehr tiefe, ruhige Stimme und zog die "e"s sehr lang, wenn sie sprach.
Es war ihm alles etwas schnell, was hier passierte, und er fragte schnell: "Wie heißt du denn? Und wo sind wir hier überhaupt? Und wer hat uns da eben gefangen gehalten? Und..." Sie hob bestimmt die Hand und brachte ihn zum Verstummen. "So viele Fragen", sie lächelte. "Jetzt ist nicht die Zeit dafür. Erst ausruhen. Wir reden morgen. Jetzt ist noch zu gefährlich. Du wirst nur im Weg sein." Er wollte widersprechen, aber ihr durchdringender Blick duldete keine Widerrede. Also betrat er schweigend, mit eingezogenem Kopf, das Haus. Sie zog an einer Schnur und löste einen geflochtenen Tür-Vorhang. Er hörte ihre Schritte, die sich rasch entfernten. Selbst, wenn er woanders hätte hingehen wollen, so hätte er niemals den Weg zurück gefunden. Also musste er wohl oder übel hier in diesem Raum bleiben. Er schaute sich um und blickte auf eine Hängematte und einen niedrigen Tisch, mit einer Wasserkaraffe, einem Glas und seltsam aussehendem Obst darauf. Er aß und trank etwas und legte sich dann schlafen. 

Der Speicherbildschirm tauchte vor seinen Augen auf und er verließ das Spiel. Er stieg aus seiner Game-Sphere aus. Er blickte auf die Uhr. 

Er traute seinen Augen nicht. Es waren 5 Stunden vergangen. 









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