Mittwoch, 26. Oktober 2016

[Rezension] AMANI - Rebellin des Sandes (Alwyn Hamilton)





♥ OT: Rebel of the Sands (Book 1)
♥ Autorin: Alwyn Hamilton
♥ Verlag: cbt
♥ Preis: 16,99€
♥ Erscheinungsjahr: 2016
♥ Seiten: 352
♥ Genres: Jugendroman, Fantasy, Abenteuer


Zur Zeit mangelt es wirklich nicht an Büchern über den Orient, was ich nur begrüßen kann, da mich dieser schon immer fasziniert hat. Neben Zorn und Morgenröte, Elias & Laia sowie Tausend Nächte aus Sand und Feuer ist nun auch AMANI - Rebellin des Sandes endlich auf Deutsch erschienen. Dass ich ein Fantasybuch gelesen habe, ist schon wieder ein wenig länger her, aber dieses Buch war einfach die perfekte Wahl, um wieder in dieses schöne Genre einzusteigen.

Cover: cbt



In meinen sechzehn Lebensjahren hatte ich Dutzende Dinge gesehen, geboren aus Sand und Wind und den Geistern der Wüste. Ich kannte jede Geschichte von Unsterblichen wie auch von Ghulen, die der Sand hervorgebracht hatte. Aber das hier war neu. Und es fühlte sich ganz und gar fremd und gleichzeitig vollkommen vertraut an.

~ Seite 218 ~



Die 16-jährige Scharfschützin Amani will nichts mehr, als Dustwalk, einem Kaff mitten in der Wüste, den Rücken zu kehren. Bei einem Schießwettbewerb, der Amani die Freiheit bringen soll, kreuzt Jin ihren Weg: ein faszinierender Fremder, der von den Schergen des Sultans verfolgt wird. Jin soll zu den Rebellen gehören, die den abtrünnigen Prinzen Ahmed unterstützen. Amani und Jin werden Reisegefährten wider Willen und kämpfen bald ums Überleben – gegen magische Djinn, gegen die Soldaten des Sultans und eine mysteriöse, tödliche Waffe. Unversehens steckt Amani mitten in einer Rebellion, die das Schicksal ihres Landes entscheiden könnte und ihre Gefühle für Jin offenbart…

Text: cbt


Schon lange hatte ich mit der hübschen englischen Ausgabe von Rebel of the Sands geliebäugelt, aber am Ende ist es dann doch das deutschsprachige Hardcover aus dem cbt Verlag geworden. Das Cover ist passend zur Wüstenthematik in erdigen Farbtönen gehalten und zeigt eine weitläufige Sanddüne, die mit einer rauen, sandartigen Beschichtung veredelt ist. Dieser Effekt sieht nicht nur wunderschön aus, er fühlt sich auch gut an! Rechts ist eine Reisende mit langem dunklen Haar und leuchtend blauen Augen zu sehen, die die Protagonistin Amani darstellt. Der recht schlicht gehaltene Schriftzug bildet einen starken Kontrast zu dem großen verschnörkelten A in Amanis Namen. Unter dem hübschen Schutzumschlag kommt ein schlichtes gebundenes Buch in einem warmen Dunkelbraunton zum Vorschein.

Insgesamt eine sehr gelungene Aufmachung, da sowohl das Motiv als auch die Bildkomposition und Farbwahl mich direkt angesprochen und neugierig gemacht haben, besonders, da das Mädchen auf dem Cover eine so auffällige Augenfarbe hat. Im Regal wirkt das Buch mit seiner großen Schrift auf dem Buchrücken wie ein kleines Schmuckstück.


Mit Amani - Rebellin des Sandes erwartet den Leser eine Geschichte voller Magie und Fantasie, die in das Reich der Djinns, Flammenpferde und der gnadenlos brennenden Sonne entführt. Den Roman in nur eine Kategorie zu quetschen, erweist sich dabei als schwierig, denn zwischen Orientflair und Wildem Westen, eindrucksvoller Fantasy und actionreichem Abenteuer schafft Alwyn Hamilton auch viel Raum für eine zaghafte Liebesgeschichte, Intrigen, Sagen und Legenden - und mittendrin ein Mädchen auf der Suche nach seiner Bestimmung und dem großen Glück. Ob es sich hierbei eher um dystopische, historische oder aber um Highfantasy handelt, liegt wohl im Auge des Betrachters und hat mich stark an die Welt von Nina Blazons Faunblut erinnert. Auch hier wird dem Leser nicht vollständig eröffnet, wie er die Geschichte einzuordnen hat. Gerade dieser Aspekt unterstützt allerdings das Mystische, Geheimnisvolle in Amani.

Die verschiedensten Legenden aus 1001 Nacht werden in diesem Buch lebendig, neu aufgegriffen und in einem vollkommen neuen Gewand verpackt. Märchenhaft erzählt Hamilton von brennenden Buraquis, Mischwesen aus Menschen und Djinns, Ghulen, Gestaltwandlern und dem Vogel Roch. Auch die Geschichte von Ali Baba wird aufgegriffen und in Form einer magischen Tür mit der Handlung verwoben. Orientalische Märchen haben mich schon immer begeistert, weshalb mir Hamiltons Art von Fantasy wirklich sehr zugesagt hat. Der Roman behandelt jedoch ebenso gesellschaftliche und wirtschaftliche Konflikte, wie etwa die Massenarmut in Amanis Dorf, die korrupte Regierung des Sultans oder die Minderwertigkeit des weiblichen Geschlechts. Abgesehen von der sozialen Ungleichheit und den vielen lauernden Gefahren durch die Wüste wird die Wüstenkultur aber einfach wundervoll beschrieben! Wie schon in Renée Ahdiehs Zorn und Morgenröte gibt es viele Beschreibungen der Umgebung, der Kleidung und des Essens - wenn wir auch mit Amani eine nicht ansatzweise so prächtige Version davon vorliegen haben, bedingt durch die ärmlichen Gegenden Mirajis. Praktisch jede Erwähnung von Fladenbrot oder getrockneten Feigen hat mich hungrig werden lassen. Zum Glück war es wirklich lange nicht so schlimm wie in besagtem Zorn und Morgenröte. ;)

Sowohl die spannenden Themen und Elemente als auch das rasche Erzähltempo machen den Roman zu einem spannenden Erlebnis, das mich in seinen Bann gezogen hat. Wir begleiten Amani auf einer gefahrvollen Reise, angefangen bei ihrem nächtlichen Ausflug in die Schießarena von Deadshot, über ihre gemeinsame Flucht mit dem geheimnisvollen Jin, ihre Reise durch die Wüste Mirajins, bis hin zu ihrem neuen Zuhause: dem Lager der Rebellen. Eine bedrohliche, mystische und gefühlvolle Reise voller Gefahren, Lügen und spannenden Wendungen. Ein Buch, das mit dem Zauber von 1001 Nacht ebenso betört, wie es mit Brutalität, Tod und Schmerz zu erschrecken und berühren weiß. Und mittendrin eine Rebellion und die Hoffnung auf ein besseres Leben.


Nach dutzenden Mädchen mit Pfeil und Bogen und aberdutzenden Protagonistinnen mit einem Schwert ist nun das Mädchen mit der Pistole am (Ab)Zug! Amani schießt besser als jeder Mann in ihrer Region. Sie ist klug, mutig, aber nicht furchtlos, hat ein loses Mundwerk und würde alles dafür geben nach Izman reisen zu können - weit weg von ihren Verwandten, die sie nicht viel besser als eine Sklavin behandeln. Das sture Mädchen möchte nach den Sternen greifen und nimmt so manches Risiko auf sich, um ihre Ziele zu erreichen. So lernt sie eines Nachts einen Fremden bei einem Schießwettkampf kennen, der ihr schon bald zum unentbehrlichen Reisegefährten wird... und vielleicht sogar noch mehr als das...

Anfangs handelt Amani eher egoistisch, wie sie es in ihrer ärmlichen Heimat Dustwalk gelernt hat. Hier ist sich jeder selbst am nächsten. Doch mit der Zeit lernt sie Jin zu vertrauen und sich für andere einzusetzen. Das Mädchen war mit seinen außergewöhnlichen Augen schon immer ein wenig anders, allerdings entfaltet sich Amanis Bestimmung erst im Laufe der Handlung. Hier hält die Handlung eventuell noch die ein oder andere Überraschung für so manchen Leser bereit - ohne jetzt zu viel zu verraten.^^ Trotz ihrer misstrauischen und selbstbezogenen Art fand ich unsere Heldin jedoch von Anfang an sympathisch, und das hat sich bis zum Ende dieses tollen Reihenauftakts nicht geändert! Sowohl ihr Mut als auch ihre Fehlbarkeit sind es, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Amani wird nicht perfektioniert. Manchmal schießt sie daneben, rettet nicht immer den Tag, muss auch mal gerettet werden, bevor sie wieder selbst ein Leben retten kann - oder dabei scheitert - sie ist weder die anbetungswürdigste Wüstenschönheit, noch das stärkste Mädchen der Welt, das sich unbesiegbar 50 Feinden auf einmal stellen kann -  sie hat Ecken und Kanten, gute wie schlechte Eigenschaften, die ich alle liebgewonnen habe, und vor allem handelt sie aus meiner Sicht nie vollkommen unnachvollziehbar oder gar dumm. Ein neuer Stern am Himmel der Kick-Ass-Heldinnen!

Jin ist im Gegensatz zu unserer Protagonistin noch etwas blass, aber ebenso sympathisch. Zunächst ist er undurchschaubar und man fragt sich, was er wohl verheimlicht und warum er auf der Flucht ist. Gegen Ende des Buches fügt sich das Puzzle jedoch zusammen, und auch, wenn ich mir schon so etwas ähnliches gedacht hatte, war es spannend Jins Geschichte zu erfahren. Die Liebesgeschichte beginnt eher langsam und entsteht in einem Zeitraum von etwa zwei Monaten, ist aber sehr glaubwürdig und romantisch zu lesen, ohne zu viel Raum in der Handlung einzunehmen. Jin und Amanis Beziehung spielt daher eine eher untergeordnete Rolle.

Auch die Nebencharaktere, natürlich allen voran auf der "guten Seite", sind durchweg sympathische und interessante Charaktere, über die ich gerne im nächsten Buch mehr erfahren würde. Besonders über Shazad, Hala und Noorsham würde ich gerne noch so viel mehr lesen, denn sie sind leider im ersten Band noch etwas blass geblieben. Dazu muss man jedoch sagen, dass sie gerade im letzten Drittel des Buches erst so richtig in Erscheinung getreten sind und hoffentlich in den folgenden Teilen mehr Raum bekommen werden.


Alwyn Hamilton bedient sich einer poetischen, aber zugleich nicht allzu hochgestochenen Sprache, die perfekt zum leicht historisch-orientalisch angehauchten Setting passt, jedoch nicht altertümlich wirkt, wie es in einem richtigen historischen Roman der Fall wäre. Der wunderschöne Stil der Autorin machte es mir sehr schwer, das Buch zur Seite zu legen - zu gern wollte ich noch weitere Worte in mich aufsaugen und mich an der hübschen, und trotzdem recht einfach gehaltenen Sprache erfreuen. Durch den tollen Schreibstil kam zusätzlich Spannung auf, wodurch ich den Roman vielleicht noch nicht als Pageturner bezeichnen würde, aber die Seiten ließen sich trotzdem recht schnell weglesen. Hätte ich mehr Zeit zum Lesen gehabt, wäre ich innerhalb weniger Tage fertig geworden.


Ein wunderbarer Auftakt, der durch seine schöne Sprache, eine fantasievolle, spannende Handlung und eine starke Heldin besticht. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der den Orient sowie seine Legenden liebt. Ein magischer Roman, so eindrucksvoll und rasant wie ein Wüstensturm.^^






Ein Dankeschön für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars geht an:





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Originalcover:





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Kommentare:

  1. Hallo Lena ;-)
    Ich habe deine tolle Rezension komplett gelesen. Aber es ist der erste und der letzte Satz von deinem Fazit, die das Buch fantastisch und auf dem Punkt gebracht zusammenfassen.
    Danke dafür. <3
    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Huhu liebe Hibi,

      vielen, vielen Dank für dein liebes Feedback! Es freut mich sehr, dass dir meine Rezi so gut gefallen hat! :')

      Liebe Grüße
      Lena ♥

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  2. Huhu Lena,
    was für eine wundervolle und ausführliche Rezension! Dieses Buch hatte ich auch schon im Blick. Es steht auf meiner Wunschliste für Weihnachten. Ich glaube dieses Buch ist absolut nach meinem Geschmack.
    Ganz liebe Grüße Tanja

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