Freitag, 4. August 2017

[Rezension] Heartless (Marissa Meyer)






♥ Deutsche Ausgabe: bisher nicht angekündigt
♥ Reihe: Einzelband
♥ Autorin: Marissa Meyer
♥ Verlag: Feiwel & Friends
♥ Preis: ca 18€ (HC)
♥ Erscheinungsjahr: 2016
♥ Seiten: 464
♥ Genres: Fantasy


Nachdem ich die Luna-Chroniken förmlich verschlungen hatte, musste auch Marissa Meyers neues Buch unbedingt her. Allerdings hat es mich doch sehr enttäuscht und mit jeder Menge Fragezeichen im Kopf zurückgelassen.

Warnung: Dieses Buch auf keinen Fall lesen, wenn man sich ein Happy End erhofft oder auf Diät ist.

Cover: Feiwel & Friends



These things do not happen in dreams.
They only happen in nightmares.

S. 93


Long before she was the terror of Wonderland--the infamous Queen of Hearts--she was just a girl who wanted to fall in love. Catherine may be one of the most desired girls in Wonderland, and a favorite of the unmarried King of Hearts, but her interests lie elsewhere. A talented baker, all she wants is to open a shop with her best friend. But according to her mother, such a goal is unthinkable for the young woman who could be the next queen.

Then Cath meets Jest, the handsome and mysterious court joker. For the first time, she feels the pull of true attraction. At the risk of offending the king and infuriating her parents, she and Jest enter into an intense, secret courtship. Cath is determined to define her own destiny and fall in love on her terms. But in a land thriving with magic, madness, and monsters, fate has other plans.

Text: Feiwel & Friends


Habt ihr jemals so ein wunderschönes Buch gesehen? ♥.♥ Die Covergestaltung des Hardcovers finde ich gleichermaßen märchenhaft wie das Buch unter dem Schutzumschlag: Während die roten Rosenranken, die den Umschlag zieren, mit einem leichten Metallic-Prägedruck versehen sind, ist das eigentliche Buch in einer Lederoptik gehalten und macht einen unglaublich edlen, hochwertigen Eindruck. Das Schachbrettmuster trägt ebenfalls die Farben Rot und Schwarz und glänzt wunderschön metallisch. Insgesamt passt die Aufmachung sehr gut zum  Wunderland, von dem sich die Autorin hat inspirieren lassen. Zusätzlich ist das Buch überdurchschnittlich groß und somit ein echter Hingucker im Regal.


Heartless erzählt die Vorgeschichte der Herzkönigin zu Lewis Carrols Alice im Wunderland. Wie erging es dieser weltbekannten Antagonistin, bevor sie zur skrupellosen Monarchin wurde? Catharine ist eine junge Frau, die nichts auf der Welt mehr liebt als das Backen, aber als Tochter eines angesehenen Lords kann ihr Wunsch nach einer eigenen Bäckerei nur ein Traum bleiben. Stattdessen möchte der König von Hearts um ihre Hand anhalten, doch eine Heirat ohne Liebe und die Verantwortung für ein ganzes Land zu tragen, das ist es nicht, was Catharine sich vom Leben erhofft. Als sie sich Hals über Kopf in den Joker verliebt und Hearts von einem legendären Monster bedroht wird, nimmt das Schicksal schließlich unaufhaltsam seinen Lauf... Eine Geschichte, die so gut anfing und dann katastrophal endete.

Marissa Meyer bedient sich bekannter Elemente aus Alice im Wunderland und verwebt diese auf fantasievolle, märchenhafte und manchmal auch lustige Art und Weise mit ihrer eigenen Erzählung. Die Geschichte entfaltet sich eher gemächlich und nimmt sich Zeit, sodass ab und an ein paar Längen enstehen, die Handlung also ein bisschen vor sich hinplätschert. Ein paar Seiten weniger hätten dem Buch wohl ganz gut getan, allerdings entwickelt es nach und nach auch eine enorme Tiefe durch seine langsame Erzählweise. Es wird abgedreht, romantisch, düster, verträumt und traurig, ein wahres Feuerwerk an Emotionen, die Heartless in mir entfacht hat. Zwischen Cath und Jest entsteht eine bittersüße Liebesgeschichte, aber wie auch mit dem großen Traum einer Bäckerei wird schnell klar, dass es für Catherine leider kein glückliches Ende nehmen kann. Immerhin weiß man von Anfang an, dass das Mädchen irgendwann zur Herzkönigin gekrönt werden wird. Dass man das vermeintliche Ende bereits kennt, nimmt jedoch überhaupt nicht die Spannung, im Gegenteil - man möchte unbedingt wissen, wie es zu diesem Ende kommt und was bis dahin alles passiert, wie eine junge Frau, die so voller Hoffnungen und Träume ist, so verbittert werden kann, wie es die Herzkönigin ist. Zunächst hat das Buch mich wirklich mitgerissen und schwärmen lassen; beim Lesen kamen mir sogar einmal die Tränen.

Im letzten Drittel des Buches und vor allem gegen Ende häufen sich allerdings eine Menge Ereignisse, mit deren Verlauf ich mich so gar nicht anfreunden konnte, die mich einfach nur aufgeregt und frustriert haben. Noch immer bin ich wirklich fassungslos, in welche Richtung sich die Geschichte entwickelt - so übertrieben dramatisch und einfach nur unnachvollziehbar. Ich möchte nicht spoilern, aber was ist denn das für eine Aussage? Nicht für sich einstehen und dann vor Problemen weglaufen? Sich einfach seinem Schicksal zu ergeben und dann anderen die Schuld für die eigene Untätigkeit geben? Das alles hat mich einfach nur traurig gemacht. Mir ist klar, dass mich von Anfang an kein Happy End erwartete, doch am Ende des Buches angekommen, wünschte ich mir, dass es doch gut ausgegangen wäre.


Catherine ist die zukünftige Herzkönigin aus Carrols Erzählung, die mir anfangs eine unglaublich liebenswerte, sympathische Protagonistin war, im Laufe der Handlung jedoch immer unsympathischer wurde. Trotz ihrer Stellung als Adlige fühlt sie sich in einem Leben aus Glamour und Höflichkeiten nicht wohl. Viel lieber möchte sie ihren Träumen folgen, eine eigene Bäckerei mit ihrer besten Freundin eröffnen und die wahre Liebe finden. Meyer hat mich wirklich mit ihrer Protagonistin leiden lassen. Es tut weh, wie Caths Träume immer wieder zunichtegemacht werden, und anfangs hätte ich diesem Mädchen wirklich alles Glück der Welt gewünscht. Leider kämpft Cath aber einfach nicht für ihre Ziele, lässt sich immer wieder kleinkriegen und bekommt den Mund einfach nicht auf, was ich unglaublich schade fand. Ich kann zwar verstehen, dass man in ihrer Situation irgendwann verbittert, aber ihre passive Einstellung rechtfertigt das für mich einfach nicht und das hat mich irgendwann nur noch aufgeregt. Gerade, als es auf das Ende hinausgeht, trifft sie nur noch Entscheidungen (oder lässt sie treffen), die ich so gar nicht nachvollziehen konnte und die mich richtig wütend gemacht haben. Für einige Wege entscheidet sie sich sogar bewusst, obwohl sie weiß, dass diese auf ein schlechtes Ende hinauslaufen. Letzten Endes ist dann noch nicht einmal so etwas wie Selbstreflexion oder ein Schuldeingeständnis vorhanden, was so zwar beabsichtigt ist, mich aber nur den Kopf hat schütteln lassen.


Lacie pulled out the blade. A beating heart was skewered on its tip. It was broken, cut almost clean in half by a blackened fissure that was filled with dust and ash.

S. 442


Eine weitaus angenehmere Figur ist dagegen Jest, der Hofnarr/ Joker, der mir mit seiner geheimnisvoll-mysteriösen Art sehr gefallen hat. Er hat einen recht undurchsichtigen, aber wirklich mutigen Charakter. Die romantische Anziehung und Spannung zwischen Cath und Jest entwickeln sich zu einer bittersüßen Liebesgeschichte, von der ich gerne noch mehr gelesen hätte.

Aber auch die Nebencharaktere empfinde ich als sehr gelungen. Hatta, der (noch nicht verrückte) Hutmacher, ist zum Bespiel ein sehr interessanter, abgedrehter Charakter, der nur langsam durchscheinen lässt, wie er tickt. Ich mochte ihn und seine Hutkreationen unglaublich gerne. Mary Ann, Caths Maid, die den Traum einer Bäckerei mit ihr teilt, erinnerte mich irgendwie stark an Iko aus den Luna-Chroniken, allerdings konnte ich sie von Anfang an nicht wirklich leiden. Lady Maerle dagegen verfügt zwar über eine nervige, besserwisserische Seite, aber sie ist meiner Meinung nach ein sehr liebenswerter und interessanter Charakter abseits aller Stereotypen. Den einfältigen König konnte ich aus irgendeinem Grund auch ganz gut leiden, obwohl er ein sehr willensschwacher Mann ist und Cath immer wieder in unangenehme Situationen bringt. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl weiterer fantasievoll ausgearbeiteter Charaktere, gute wie böse, die man am besten für sich selbst entdecken sollte...


Marissa Meyer schreibt wie gewohnt sehr detailreich, bildhaft und ausdrucksstark. Die Dialoge sind an das ältere Zeitalter von Alice angepasst, was insgesamt sehr stimmig wirkt, und wirklich genial sowie humorvoll geschrieben, da Cath sehr schlagfertig ist, aber trotzdem angemessene und höfliche Umgangsformen einhalten möchte. Als Leser ist es die meiste Zeit offensichtlich, was sie eigentlich gerne sagen würde, und das hat mich des Öfteren zum Schmunzeln gebracht.

Auch die Gebäcke, Torten und der Backprozess an sich werden mit so viel Liebe zum Detail beschrieben, dass mir angesichts dieser Köstlichkeiten richtig das Wasser im Mund zusammengelaufen ist. Die meiste Zeit über hatte ich richtig Hunger beim Lesen und hätte auch gerne Catherines Kreationen probiert. :D


Fine literature does work up an appetite.

S. 288


Heartless hat mir das Herz gebrochen und mich zwiegespalten zurückgelassen. Es ist einerseits ein beeindruckendes, andererseits ein enttäuschendes Buch für mich. Anfangs noch emotionsgeladen und fantasievoll, machten sich im weiteren Verlauf angesichts einiger unerfreulicher Ereignisse starke Ernüchterung und Enttäuschung bei mir breit. Dabei war ich erst so begeistert von dem Buch! Heartless hätte ein außergewöhnlich gutes Buch werden können, denn Emotionen, Tiefe, Charaktere und Ideen stimmten grundsätzlich und Meyer erzählt ihre Geschichte sehr konsequent. Dafür bewundere ich sie wirklich. Mir war auch von Anfang an klar, dass die Vorgeschichte zu Alice im Wunderland nur mit einem Bad End ausgehen könnte, aber der Weg dahin hat mir einfach nicht zugesagt. Obwohl ich also nicht mit falschen Erwartungen an das Buch herangegangen bin, hat mich Heartless letztendlich sehr enttäuscht zurückgelassen.


Schweren Herzens vergebe ich:





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Special Edition,  TB-Ausgaben



Weitere Meinungen:
















Kommentare:

  1. Huhu Lena,

    schade, dass dich das Buch nicht vollends überzeugen konnte. Es ist immer sooo schade, wenn die Geschichte gut anfängt und dann plötzlich so unnachvollziehbar wird. Oder man das Gefühl bekommt, die Autorin/der Autor hätte keine Lust oder keine guten Ideen mehr gehabt. :/
    Ich werde jedenfalls erstmal die Luna-Chroniken lesen bevor ich zu etwas anderem der Autorin greife. ;) (Obwohl ich Alice-im-Wunderland-Geschichten eigentlich gerne lese...)

    LG Alica

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    1. Hey An Chan,

      das Schlimme an diesem Buch ist einfach, dass es so unglaublich gut anfängt, man die Charaktere richtig ins Herz schließt und es dann einfach plötzlich unnnachvollziehbar und frustrierend wird. Die Ideen sind der Autorin nun wirklich nicht ausgegangen. Es fühlte sich an als würde man von einem liebgewonnenen Freund betrogen werden. :/ Wenn du Märchen magst, solltest du die Luna-Chroniken unbedingt lesen!

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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