Mittwoch, 16. November 2016

[Rezension] Haus der tausend Spiegel (Susanne Gerdom)


Ein Dankeschön an den cbt Verlag sowie das Bloggerportal von Random House für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Cover: cbt
♥ Titel: Haus der tausend Spiegel (Einzelband)
♥ Autorin: Susanne Gerdom
♥ Verlag: cbt
♥ Preis: 12,99€ (Klappenbroschur)
♥ Erscheinungsjahr: 2016
♥ Seiten: 416
♥ Genres: Jugendroman, Fantasy, Romance

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, denn ich bin absolut BEGEISTERT von diesem Buch und Susanne Gerdoms Kreativität! Schon die Kurzbe- schreibung hat mich direkt angesprochen und eine spannende, magische Geschichte erwarten lassen, allerdings hätte ich niemals so viel Fantasie und Gefühl erwartet. Wer hier eine 08/15 Romantasy-Story befürchtet, wird schnell vom Gegenteil überzeugt sein.




♥ Cover & Aufmachung ♥

Eine glänzend beschichtete, hochwertige Klappenbroschur, in der nicht so schnell Leserillen entstehen. Das Motiv des Covers und die Farben haben mir auf Anhieb gut gefallen, auch wenn eine Person auf dem Cover nichts Besonderes ist. Nach dem Lesen des Buches gefällt mir das Cover allerdings noch um Welten besser, da es die Geschichte, in der Spiegel und Spiegelscherben stark im Vordergrund stehen, perfekt ergänzt und die Vergangenheit des männlichen Hauptcharakters porträtiert.


♥ Inhalt ♥

Die junge Hexe Annik steht vor einem Rätsel, das über ihr ganzes Leben entscheiden wird: Sie hat den Auftrag, das Geheimnis um die Familie van Leuwen zu lüften. Doch kaum ist sie auf dem majestätischen Anwesen angekommen, machen ihr die Bewohner, Gabriel und Daniel, eindeutige Avancen. Und Annik macht eine finstere Entdeckung nach der nächsten. Ist hier tatsächlich ein mächtiger Spiegelzauber am Werk, gewirkt von einer bösen Hexe? Die sich die Seele und Liebe der van Leuwens auf ewig sichern will? Kann Annik sie besiegen? Denn langsam aber sicher verliebt sie sich, und das Ende ist vollkommen ungewiss ...

Text: cbt




♥ Umsetzung ♥

Haus der Tausend Spiegel spielt im belgischen Antwerpen und verbindet einen realen Schauplatz mit Fantasyelementen. Da es sich weder um Urbanfantasy noch um eine fiktive Umgebung handelt, kann man die Welt im Buch als eine Art parallele Realität ansehen, in der die Hexen schon von Anbeginn unter den Menschen leben. Ein bisschen könnte man es wohl mit Harry Potter vergleichen. Wie die Romanhandlung zeitlich einzuordnen ist, lässt sich nicht genau definieren, da das Geschehen sich fast ausschließlich im alten Anwesen der van Leuvens abspielt, jedoch fahren bereits Straßenbahnen, weshalb ich vom 21. Jahrhundert (bzw zumindest dem letzten Drittel des 20. Jahrhunderts) ausgehe. Von Handys oder anderen technischen Geräten gibt es allerdings keine Spur, was mich ein wenig irritiert hat und es so schwierig macht, die Zeit, zu der der Roman spielt, zu bestimmen. Trotz der Verwirrung gefiel mir aber gerade dieses Zusammenspiel von modernen und traditionellen Elementen sowie Fiktion und Realität sehr.

Schon nach den ersten drei Kapiteln war ich vollkommen in der Geschichte gefangen. Hätte ich nicht so wenig Zeit zum Lesen gehabt, hätte ich das Buch innerhalb weniger Tage durchgesuchtet. Die Geschichte hat einfach etwas sehr Einnehmendes, Ruhiges und dennoch Spunnung aufbauendes, das mich nach jedem Kapitel dazu bewegt hat, weiterlesen und herausfinden zu wollen, welches große Geheimnis hinter den Fassaden des alten Gemäuers liegt, welches Grauen sich dort ereignet hat und welcher Aufgabe sich Annik würde stellen müssen.

Was das große Geheimnis betrifft, das es zu ergründen gilt und gleichzeitig Anniks Aufnahmeprüfung für die Uni darstellt, wird man sehr lange im Dunkeln gelassen. Die mysteriösen Ereignisse häufen sich, überschlagen sich ein um das andere Mal und liefern zunächst bei Weitem mehr Fragen als Antworten. Dazwischen gibt es viele ruhigere Passagen, die sich um Anniks Kindermädchentätigkeit und ihren Schützling Elias drehen, aber nicht minder spannend und mysteriös erscheinen. Stück für Stück verwandelt sich die Handlung in ein Auf und Ab aus Traum und Realität, Rätseln, Verwünschungen, Wirrungen und Täuschungen. Während man nach kurzer Zeit glaubt, sich immer weiter von der Lösung des Rätsels zu entfernen, bekommt man eigentlich nach und nach alle Teile des Puzzles serviert, die sich erst ganz am Ende zu einem großen Ganzen verbinden. Obwohl ich recht schnell eine ungefähre Ahnung hatte, was sich hinter alldem verbirgt, entwickelt sich die Geschichte vor allem in der zweiten Hälfte nochmal in eine andere, vollkommen unerwartete Richtung, weshalb ich aufpassen muss, dass ich nicht zu viel von der Story verrate.

Es wird immer düsterer, fantasievoller, undurchsichtiger und alles läuft auf einen großen Showdown hinaus, in dem Realität und Traum sich immer weiter annähern, verschiedene Handlungsebenen bilden und verschiedene Realitäten hervorbringen. Das Motiv des Spiegels kann hier als eine Art Abbildung - Gegenüberstellung - von Richtig und Falsch, Trug und Wahrheit, Verderben und Erlösung gesehen werden und wird bis zum Ende des Buches immer wieder aufgegriffen. Den Spiegel als zentralen Gegenstand finde schon sehr interessant, da ebendiesem immer etwas Mysteriöses, Mystisches anhaftet.

Die Lage spitzt sich zu und mit der Fülle an Wahrnehmungen, Realitäten und Zauberbannen wächst auch die Anzahl der Spiegel, wird zu einem unendlichen Spiegellabyrinth, in dem sich nicht nur Annik, sondern auch der Leser gefangen fühlt. Alles wird immer wirrer und verworrener, jedoch habe ich trotz allem spüren können, dass Susanne Gerdom bis zum Schluss sehr genau wusste, was sie da zu Papier gebracht hat - ja, ganz bewusst schafft sie Verwirrung im Leser, der am Ende kaum noch weiß, was er denken soll.

Auch sonst durchlebt man eine Achterbahn der Gefühle, denn Susanne Gerdom schafft es auf großartige Art und Weise Emotionen heraufzubeschwören. Das geht von Ekel über Angst, Verwirrung und Angespanntheit bis hin zu knisternder Liebe. Man fühlt einfach mit den Charakteren mit und am Ende hätte ich fast geweint! Ein einzelnes Tränchen habe ich vergossen, weil bis zum Schluss nicht sicher ist, ob sich die Autorin nun für ein Happy End entschieden hat... Einerseits fand ich das Ende sehr emotional gestaltet, andererseits bleiben aber noch so einige Fragen offen und vollständig zufrieden bin ich nicht unbedingt mit der Auflösung, die doch etwas schnell abgehandelt daherkommt. Trotzdem hat es mir gefallen und mich das Buch nur widerwillig zur Seite legen lassen.


♥ Charaktere ♥

Annik ist eine junge Hexe und angehende Studentin. Sie ist keine klassische Schönheit, weiß andere aber mit ihrem herzlichen Wesen für sich zu gewinnen. Sie ist sehr neugierig, klug und mutig und bewahrt in jeder Situation einen kühlen Kopf. Sie und ihren Vertrauten Ybbas, ein mürrisches Chamäleon, konnte ich schon nach kurzer Zeit in mein Herz schließen. Nicht nur mag ich Chamäleons einfach total gerne, ich fand die Ideen rund um den Vertrauten und seine Verbundenheit zu Annik einfach fantastisch dargestellt. Annik selbst gewinnt Seite um Seite an Tiefe und ich fand ihre Handlungen absolut nachvollziehbar. Okay, ich fand es schon etwas fragwürdig, wie leicht sie sich ständig von wildfremden Männern küssen lässt, aber ansonsten ist sie eine nachvollziehbare Heldin. :D

Noch besser finde ich allerdings ihre Beziehung zu den vier Jungs/ Männern, die neben Annik die größte Rolle spielen. Anfangs soll Annik sich als Kindermädchen um den kleinen Elias kümmern, der unter Angstzuständen leidet und deshalb weder spricht noch aus seinem Koffer hinauskommt. Wie die junge Hexe sich ihm Stück für Stück annähert und sein Vertrauen gewinnt, wie man als Leser immer dringender wissen möchte, was hinter seinem Verhalten steckt, wie dieser Handlungsstrang in den Rest des Romans eingebunden ist - etwas Vergleichbares habe ich noch nie gelesen.

Als nächstes hätten wir da Rafael, einen zurückgebliebenen, stotternden, aber herzensguten Teenager, dem Annik begegnet, als sie die große Bibliothek des van Leuvenschen Anwesens aufräumt. Sie bringt ihm das Lesen bei, aber schnell wird klar, dass auch hier etwas nicht stimmt und er Hilfe braucht.

Dann gibt es da noch den zurückgezogen lebenden Daniel van Leuven, der eine große Zuneigung für Annik zu empfinden scheint, sie aus irgendeinem Grund aber immer nur aus den Schatten beobachtet. Schon bald bauen die Beiden eine tiefe Verbundenheit zueinander auf... aber kann man jemanden lieben, dessen Gesicht man noch nie gesehen hat?

Der letzte im Bunde stellt zugleich den komplexesten der vier männlichen Charaktere dar: Gabriel van Leuven, der Herr des Anwesens. Er wirkt kalt, grausam und arrogant, jedoch beginnt seine Fassade schon bald zu bröckeln, sodass Kummer, Schmerz und eine Hoffnungslosigkeit hindurchschimmern, die Annik ständig neue Rätsel aufgeben. Es dauert sehr lange, bis Gabriel ein wenig Licht ins Dunkel bringt und man merkt, dass er mit einem großen inneren Zwiespalt zu kämpfen hat. Sein Schicksal, das Haus und die anderen Bewohner sind alle unweigerlich miteinander verbunden. Über allem schwebt eine Wolke des Verderbens, des Verfalls, was man im Fortschreiten der Handlung auf jeder Seite spüren kann.


♥ Schreibstil♥

Susanne Gerdom trägt den Leser mit ihrer wunderschönen Sprache durch die Seiten. Der Schreibstil liest sich sehr angenehm - nicht zu geschwollen, aber auch nicht zwanghaft auf Modern getrimmt. Dabei entsteht eine eher ruhige Stimmung, die jedoch eine stetige Spannung aufbaut und im richtigen Moment durch sich überschlagende Ereignisse durchbrochen wird.

An Beschreibungen der Umgebung und Räumlichkeiten wird nicht gespart, allerdings ohne sich in endlosen Details zu verlieren. Dennoch ist der Stil unglaublich bildhaft, was den Leser sehr stark durch seine eigene Vorstellungskraft an die Handlung bindet. Gerade zum Ende hin schafft Gerdom mit ihrer Sprache und ihren gefühlvollen Beschreibungen eine Bildgewalt, die mich des Öfteren hat denken lassen, ich stünde praktisch selbst im Spiegelsaal.


♥ Fazit ♥

Wow. Was für ein tolles Buch! Haus der tausend Spiegel ist mein erstes Buch von Susanne Gerdom und bestimmt nicht mein letztes! Durch und durch ein wunderschönes Buch voller Magie und Fantasie, das gekonnt die Geschichte von Die Schöne und das Biest neu aufrollt und mich am Ende fast zum Weinen gebracht hätte.

Lasst euch verzaubern und in die magische, gefährliche Welt der Spiegel entführen. ♥



Bewertung: 4,5/5



Kommentare:

  1. Huhu!

    Das Buch hat mich auch sooo neugierig gemacht und vor einigen Tagen hab ich es tatsächlich gewonnen. Ich hab mich total gefreut! Und vor allem freu ich mich aufs Lesen - alle sind ja sehr begeistert! :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Huhu,
    das Buch steht auch schon auf meiner WuLi! :D Bin total neugierig darauf und hoffe, im neuen Jahr dann Zeit und Geld dafür zu haben! :3
    LG Alica

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