Sonntag, 22. Juli 2018

[Rezension] Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden | Genki Kawamura





♥ OT: Sekai kara neko ga kietanara
♥ Reihe: Einzelband
♥ Autor|in: Genki Kawamura
♥ Verlag: C. Bertelsmann
♥ Preis: 18€ (HC), 14,99€ (eBook)
♥ Seiten: 192
♥ Erschienen: April 2018
♥ Genres: Gegenwartsliteratur


© Cover: Bertelsmann
Werbung durch Rezensionsexemplar


Ich wollte nicht sterben. Ich wollte leben.
Morgen würde ich wieder etwas von der Welt verschwinden lassen.
Um zu leben, beraubte ich die Zukunft.
~ S. 121 ~


Ein junger Briefträger erfährt überraschend, dass er einen unheilbaren Hirntumor hat. Als er nach Hause kommt, wartet auf ihn der Teufel in Gestalt seines Doppelgängers. Er bietet ihm einen Pakt an: Für jeden Tag, den er länger leben möchte, muss eine Sache von der Welt verschwinden. Welche, entscheidet der Teufel. Der Briefträger lässt sich auf dieses Geschäft ein. Am Tag darauf verschwinden alle Telefone. Am zweiten Tag die Filme, am dritten alle Uhren. Als am vierten Tag alle Katzen verschwinden sollen, gebietet der Briefträger dem Teufel Einhalt. Und macht etwas völlig Überraschendes...

Genki Kawamura stellt in seinem Roman, von dem in Japan über eine Millionen Exemplare verkauft worden sind, die einfache Frage: Was macht ein gutes und erfülltes Leben aus?

Text: Bertelsmann

Die Aufmachung des kleinen Büchleins ist wirklich gelungen. Der Schutzumschlag besteht aus einem rauen Papier und das Cover ist eher schlicht gehalten. Besonders die Farbkombination aus zartem Rosa, Mintgrün und Weiß hat es mir direkt angetan. Ich liebe Kirschblüten und finde die aquarellartige Kolorierung richtig hübsch. Da sie nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun haben, sind die Blüten jedoch sehr clichéhaft für einen Roman aus Japan. In der Mitte des Covers prangt der Titel in schlichten schwarzen Lettern. Es wirkt, als befände er sich hinter einem Loch im Papier des Umschlages, dessen Ränder sich an den Seiten aufrollen. Dieses Loch ist allerdings nur aufgedruckt und soll wohl auf die Wände und Paravents aus Papier hinweisen, die noch heute zur Einrichtung vieler traditionell eingerichteter japanischer Häuser gehören. Sie sind so dünn, dass eine Katze problemlos hindurchspringen kann. Da man lediglich auf die weiße Fläche mit dem Titel blickt, könnte dies eine Anspielung auf die verschwundenen Katzen sein. Der Sinn hat sich mir zunächst nicht erschlossen, doch seit ich diesen Interpretationsansatz für mich gefunden habe, finde ich das Cover umso genialer.


Normalerweise bin ich eher in den Genres Fantasy, Science Fiction, Thriller und ab und an auch bei den Liebesromanen unterwegs, aber eher selten im Bereich der Gegenwartsliteratur. Diese Geschichte reizte mich jedoch auf Anhieb. Ich finde, dass Werke von japanischen Autoren immer von einer ganz eigenen, besonderen Atmosphäre getragen werden, die sich auch in Genki Kawamuras Buch wiederfindet. Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden ist eine sehr melancholische Geschichte, die zum Nachdenken anregt und dem Leser dadurch sehr nahegeht. Die Geschichte um einen todkranken Briefträger und seine letzten Tage auf der Erde entfaltet sich mit einer unvergleichlichen Schönheit und Tiefe. Plötzlich erscheint ihm der Teufel in der Gestalt seines eigenen Körpers und eröffnet ihm, dass er nur noch einen Tag zu leben habe. Für jeden weiteren Tag, den er auf der Erde verweilen möchte, muss er etwas verschwinden lassen - die Wahl darf allerdings nicht er selbst treffen, sondern der Teufel.

Jedem Wochentag - und damit jedem Gegenstand, der verschwindet - ist ein Kapitel gewidmet, das sich näher mit diesem auseinandersetzt. Dabei liegt der Fokus allerdings nicht auf den unmittelbaren Konsequenzen, die das Verschwinden für die Menschheit mit sich bringt; viel mehr geht es um die innere Gefühlswelt des Protagonisten, der über seine Entscheidungen und sein Leben reflektiert. Ich muss gestehen, dass ich mit anderen Erwartungen an das Buch herangegangen bin und gerne mehr über die "Welt ohne Uhren" oder die "Welt ohne Filme" erfahren hätte. Dadurch hätte sich die Geschichte wahrscheinlich aber zu weit in Richtung Fantasy oder Science Fiction verlagert, was nicht der Schwerpunkt dieses Romans sein soll. Der Großteil der Handlung spielt sich somit im Kopf des Protagonisten ab, was für meinen Geschmack sehr gut funktioniert. Mit jedem Gegenstand, der von der Welt verschwindet, durchlebt er erneut besondere Erinnerungen, die er damit verbindet. Diese sind vor allem geprägt von Reue, verpassten Gelegenheiten und Selbstzweifeln, sodass er sich langsam all seine Fehlentscheidungen und Versäumnisse vor Augen führt. Und schließlich bringt ihn all das zu einer wichtigen Erkenntnis: Was im Leben wirklich zählen sollte und dass es nie zu spät ist, die richtigen Entscheidungen zu treffen - aktiv das eigene Glück herbeizuführen.

Obwohl mit Krankheit und Tod sehr ernste Themen behandelt werden, bietet die Geschichte auch zahlreiche humorvolle Passagen - sei es nun eine Katze namens Weißkohl, der Teufel im Hawaiihemd oder die Schokolade, die einfach nicht ausgelöscht werden darf, weil sie so köstlich schmeckt. Der Schreibstil ist einfach gehalten und doch philosophisch angehaucht, was das Lesen angenehm und interessant gestaltet. Mit seinen knapp 200 Seiten ist das Buch sehr kurzweilig und wahrscheinlich hätte ich es in einem Rutsch weggelesen, wenn ich mir diese schöne Geschichte nicht bewusst aufgespart hätte. Am Ende hatte ich Tränen in den Augen, weil es mich so bewegt hat.


Genki Kawamura ist mit seinem Roman ein tiefgründiger und philosophischer Blick auf das Leben gelungen, der mich so schnell nicht loslassen wird. Wie viel ist das Leben eines Menschen wert? Welchen Preis ist man bereit zu zahlen, um einen einzigen weiteren Tag auf der Erde zu verweilen? Die Geschichte des todkranken Postboten und seinem Pakt mit dem Teufel hat mich nachdenklich gestimmt und unfassbar berührt. Ich habe gelacht, geweint und mitgefühlt. Mein einziger Kritikpunkt wäre wohl der Preis, welcher meiner Meinung nach zu hoch für ein so dünnes Büchlein ist - trotz des tollen Inhalts. Potenzielle Leser sollten sich davon nicht abschrecken lassen, denn sonst entgeht ihnen diese wundervolle Geschichte.






Ein Dankeschön für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars geht an das Bloggerportal und:







Originalcover:




Der Roman ist ursprünglich in Japan erschienen und die englische Übersetzung folgt noch dieses Jahr. Beide Ausgaben zeichnen sich durch eine schlichte Gestaltung aus und zeigen eine Katze auf dem Cover.



Adaptionen:


 Bilder: Hana to Yume Comics, Toho

Der Roman diente als Vorlage für einen Kinofilm, der 2016 in Japan veröffentlicht wurde. Darüber hinaus wurde die Geschichte auch in Form einer vierbändigen Mangareihe, gezeichnet von Rose Yukinoshita, erzählt. Bislang hat leider keine Adaption eine deutsche Übersetzung erhalten.



Weitere Meinungen:


-> Kiddo Seven
-> Sternenbrise
-> Moyas Buchgewimmel
-> Life for Books
-> Buchperlenblog






♥♥♥







Kommentare:

  1. Guten Morgen liebe Lena,

    da könnte unsere Lesemeinung zu dem Buch kaum weiter auseinandergehen. :D Aber es ist ja schön und spannend, wie unterschiedlich das Buch auf Menschen wirkt. Ich verlinke dich gleich auch noch bei meiner Rezension.

    Liebe Grüße,
    Sam

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    1. Hey Sam,

      oh ja, das ist schon irgendwie lustig, wie verschieden wir das Buch wahrgenommen haben. :'D Es ist ein bisschen anders als man erwarten würde und ziemlich dünn, da können die Meinungen wohl sehr schnell mal auseinandergehen. Vielleicht sogar mehr als bei einem Fantasyroman? Ich habe das Gefühl, dass es so ist. Werde dir gleich auch noch einen Kommentar hinterlassen, zu dem ich gestern nicht mehr gekommen bin.^^

      Liebe Grüße
      Lena ♡♡♡

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  2. Ich habe das Buch letztens auch beendet.
    Mir hat das Buch mit einigen kleinen Schwächen auch gefallen. Es hat mich auf jeden Fall zum Nachdenken gebracht

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    1. Hey phantomrabbit,

      entschuldige die späte Antwort! Kleine Schwächen kann ich bestätigen, aber mich hat das Buch einfach so berührt, dass ich nichts unter fünf Herzchen vergeben konnte. :D Es ist jedes Mal toll zu lesen, dass dieses Buch auch anderen Lesern gefallen hat!

      Liebe Grüße
      Lena ♥

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  3. Aaalooohaa Lena, =D

    deine Rezension klingt einfach viel zu gut. Das Buch ist gerade direkt auf meine Wunschliste gewandert. Die Handlungsidee klingt total interessant, auch wenn ich mir jetzt spontan auch mehr Details zu der Welt ohne Uhren oder Filme wünschen würde. Mich würde doch interessieren, wie das die Welt und die Personen darin verändern würde. Trotzdem mag ich die Idee und das Potenzial, das es mit sich bringt. Deine Worte zum Schreibstil sind noch die Kirsche auf der Sahnehaube. Am liebsten würde ich direkt nach dem Buch greifen. Den Kinofilm habe ich mir direkt mal auf meine To-Watch-Liste gesetzt und auch den Manga muss ich mir nochmal näher ansehen gehen. Vielen Dank für den Hinweis! =)

    Ganz liebe Grüße
    Leni ♥♥♥♥♥♥♥

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    1. Heeeeeeey Leni,

      auch mir haben einige Ausführungen in der Richtung gefehlt, aber es hat mich dann so berührt und zum Nachdenken gebracht, dass ich all das letztendlich gar nicht mehr brauchte. Das Büchlein ist ja nicht besonders dick und ich denke, dass es sich sonst in die Länge gezogen hätte. Es brauchte nicht viele Worte und Ausführungen, um den Kern der Geschichte zu erzählen (und nicht daran vorbeizuschlittern). :) Aber ist Ansichtssache. Andere hätten es sich trotzdem gewünscht. :D

      Den Film würde ich auch so gerne mal sehen und den Manga lesen, leider habe ich beides nicht auf Englisch finden können.

      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥♥♥♥♥♥

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    2. Alohaa Lena, c:

      du hast so schön von der Geschichte geschwärmt, so dass ich es auf Bloggerportal angefragt habe. Heute wurde es mir bestätigt und jetzt bin ich so neugierig. *---* Wollte dich nur an der Freude teilhaben lassen. xD

      Den Manga habe ich auch nicht gefunden. Den Film aber (zumindest mit englischem Untertitel). Ich schicke dir einen Link per E-Mail oder per WhatsApp (sollte ich deine Mail-Adresse nicht finden). =)

      Ganz liebe Grüße
      Leni ♥♥♥♥♥♥♥♥

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