Mittwoch, 13. Dezember 2017

[Rezension] Herrscherin der tausend Sonnen (Rhoda Belezza)






♥ OT: Empress of a Thousand Skies
♥ Reihe: Band 1/2
♥ Autorin: Rhoda Belezza
♥ Verlag: cbt
♥ Preis: 14,99€ (broschiert)
♥ Erscheinungsjahr: Oktober 2017
♥ Seiten: 400
♥ Genres: Science Fiction, Jugendbuch


Dieses Buch habe ich gemeinsam mit der lieben Flidra gelesen. Wir hatten uns beide ein spannendes Sci-Fi-Abenteuer mit einer starken Heldin erhofft. Wie mir das Buch letztendlich gefallen hat, erfahrt ihr in der nachfolgenden Rezension.




Prinzessin Rhee Ta'an beherrscht das Schwert meisterhaft und will nur eins: Rache. Nachdem ihre Familie ausgelöscht wurde, ist sie für den korrupten Kronregenten lediglich eine Marionette. Jetzt, mit fast 16, wird sie die Kaiserkrone tragen und hofft, endlich die Mörder ihrer Angehörigen zu bestrafen. Doch dann entkommt Rhee selbst nur knapp einem Anschlag und muss untertauchen. Zur gleichen Zeit verschwindet ihr vermeintlicher Mörder – Pilot Alyosha, eben noch galaktischer Superstar, nun von der Regierung gejagter Verbrecher. Aly und Rhee ahnen noch nicht, dass das Schicksal der ganzen Galaxie in ihren Händen liegt: Eine dunkle Macht droht ihre Welt in einen interplanetaren Krieg zu stürzen...

Text & Cover: cbt


An sich gefällt mir die Optik des Buches sehr, denn es handelt sich um eine hochwertige Klappenbroschur, die farblich komplett in einem tiefen Dunkelblau gehalten ist. Auch der Buchrücken ist sehr hübsch gestaltet und macht sich toll im Regal. Nach näherer Betrachtung des Covers bin ich allerdings kein großer Fan davon und das ist in diesem Fall wirklich eine Schande. Der Hintergrund der Abbildung sieht nämlich atemberaubend schön aus: Die dunklen Farben, der funkelnde Sternenhimmel und der riesige Planet, der sich hinter dem Schriftzug erhebt, ergeben ein tolles Gesamtbild und haben mich als Sternenhimmel-Fan direkt angesprochen. Wäre da nur nicht diese Frau im Vordergrund, die meiner Vorstellung von Prinzessin Rhee zwar sehr nahekommt, aber leider sehr schlecht á la Copy&Paste reinkopiert wurde. Sie fügt sich überhaupt nicht in die Umgebung ein, daran können auch ein paar deplatzierte Schatten und Lichtflächen nichts ändern. Noch dazu trägt sie ein Schwert bei sich, dessen Klinge das Licht so seltsam reflektiert, dass es auf mich wie ein Pseudo-Laserschwert wirkt. Vermutlich sollen sich Star-Wars-Fans dadurch angesprochen fühlen das Buch zu lesen. Rhees Haltung hat auch so gar nichts Kämpferisches an sich, sie steht einfach nur da herum und schaut böse. Was mich ebenfalls stört, ist der Untergrund, auf dem sie steht, denn die karge Berglandschaft scheint auf seltsame Art und Weise im All zu schweben. Einige Bergspitzen wurden abgeschnitten und komisch mit dem Hintergrund verblendet und die Proportionen der einzelnen Bildelemente stören mich auch. Insgesamt sieht das Cover dadurch leider sehr zusammengebastelt aus.


Ich liebe Geschichten, die im Weltall oder auf fremden Planeten spielen und so musste ich unbedingt dieses Buch lesen. Tatsächlich hat Rhoda Belezza mit ihrem Debut Herrscherin der tausend Sonnen eine faszinierende Science-Fiction-Welt geschaffen: Es existieren verschiedenste Planeten und ihre Bevölkerungen, Raumschiffe, Droiden und eine Erfindung, die sich Würfel nennt und mit dem Bewusstsein eines Menschen verbunden wird. Auf diesem kann man seine Erinnerungen, Gedanken und Gefühle abspeichern und sie später abrufen, so oft man möchte. Die Bewohner dieser Welt sind durchgehend mit ihren Würfeln online, was ich sowohl interessant als auch verstörend fand. In unserer Gesellschaft sind wir ja bereits sehr abhängig von Internet und Smartphone, sodass mir der Gedanke eines solchen Würfels gar nicht so abwegig erscheint. Leider liegt aber gerade in der Komplexität des Weltentwurfs die größte Schwäche der Geschichte. Die Autorin wirft mit Fachbegriffen, Planetenbezeichnungen und anderen Fremdwörtern um sich, die entweder viel zu ausschweifend oder gar nicht erläutert werden. Ständig wird die Handlung von kleinen Geschichtsstunden unterbrochen, in denen zB auf einen Planeten oder vergangene Ereignisse näher eingegangen und eine Salve weiterer Fremdwörter ohne weitere Erklärung in den Raum gestellt wird. Die ersten 100 Seiten lasen sich dadurch sehr schleppend und man wird leider immer wieder aus dem Lesefluss gebracht. Sobald die Erläuterungen dann nachließen, nahm das Buch endlich an Spannung und Fahrt auf.

Die Geschichte besteht aus zwei sich abwechselnden Handlungssträngen. Zum Einen hätten wir da Rhiannon, Prinzessin von Kalu, auf die am Tag ihrer Krönung ein Attentat verübt wird. Sie taucht daraufhin unter, um Rache am Mörder ihrer Familie zu nehmen und den Thron zurückzuerobern. Der zweite Handlungsstrang dreht sich um Alyosha, der gemeinsam mit seinem Kollegen Vin und einem Droiden ein Raumschiff fliegt und für Ordnung im All sorgt. Was genau er mit den restlichen Ereignissen zu tun hat, ist zunächst unklar, also war ich sehr gespannt, wann und wie sich Aly und Rhee über den Weg laufen würden. In dieser Hinsicht hat das Buch mich allerdings enttäuscht. Man hat den Eindruck zwei Geschichten zu lesen, die in derselben Welt spielen, aber abgesehen von der Rahmenhandlung vollkommen unabhängig voneinander erzählt werden. Bis zum Schluss werden sie nicht richtig zusammengeführt. Zwar sind die Schicksale beider Charaktere irgendwie miteinander verwoben, doch ihre kurze Begegnung gestaltet sich nur flüchtig, bedeutungslos. Jeder reist für sich selbst durch den Weltraum, wobei Aly und Rhee von einer gefährlichen Situation in die nächste schlittern.

Das Buch liest sich recht spannend, allerdings mangelt es an Glaubwürdigkeit und einem roten Faden. Die Handlung ist viel zu sprunghaft und unzusammenhängend, steckt voller Timeskips und unlogischer Plottwists, die sich sehr vorhersehbar anbahnen. Intergalaktische Kriege, Konflikte zwischen den Gesellschaftschichten, Rache, Verrat, Propaganda, ein Überwachungsskandal, Flüchtlingspolitik, Fremdenfeindlichkeit und ein Hauch von Gesellschaftskritik sind nur einige von zahlreichen (aktuellen) Themen, die Rhoda Belezza in einer Art dystopischen Sci-Fi-Roman hat unterbringen wollen. Leider scheitert sie an der Ausführung und schafft es nicht ihrer Geschichte Tiefe zu verleihen. Keiner Idee wird genügend Raum zuteil, sie werden nur angeschnitten und - nicht zufriedenstellend - Schritt für Schritt abgehandelt, wie auf einer To-Do-Liste. Mit seiner Themenvielfalt hat mich das Buch teilweise an Star Wars, aber auch an Ava Reeds Mondprinzessin und die Luna-Chroniken von Marissa Meyer erinnert, denn auch hier geht es um eine verschollen geglaubte Prinzessin, die um ihren Thron kämpft, aber auf den ersten Blick nicht für diese Aufgabe geeignet scheint. Eine weitere Parallele zu Marissa Meyers Büchern besteht darin, dass einer der Hauptcharaktere einen Droiden zum Freund/ Begleiter hat. Der weitere Storyverlauf unterscheidet sich jedoch grundlegend von den genannten Büchern und das Augenmerk liegt stärker auf dem Sci-Fi-Aspekt.



Das Buch wird seitens des Verlages damit beworben, dass die Protagonistin "so mutig wie Arya Stark" sei. Rhee hat aber meiner Meinung nach so gar nichts mit der starken Kick-Ass-Heldin aus Game of Thrones gemein. Angeblich hat sie eine umfangreiche Kampfausbildung durchlaufen, davon merkt man allerdings nicht viel, denn richtig gekämpft wird verschwindet wenig. Auf mich machte sie keinen sonderlich starken Eindruck, viel mehr erschien sie mir kindisch und leichtgläubig. Sie ist schrecklich naiv, versteift sich auf irgendwelche Ziele und handelt, ohne die Dinge vorher hinterfragt zu haben. So kann man sich viele bevorstehende Wendungen bereits denken, bevor Rhee auch nur ahnt, was vor sich geht. Aufgrund ihrer Handlungen war sie mir irgendwie unsympathisch. Von Alyosha, dem ehemaligen Star einer beliebten TV-Serie, habe ich mir anfangs sehr viel versprochen, doch man weiß leider kaum etwas über ihn, seine Persönlichkeit, sieht man einmal von den kurzen Einblicken in seine Vergangenheit ab. Sein Charakter kam mir im weiteren Verlauf immer blasser und nichtssagender vor, obwohl man ihn als Protagonisten doch eigentlich besser hätte kennenlernen müssen. Es war, als würde er immer mehr an Tiefe verlieren. Die Protagonisten zeichnen sich somit dadurch aus, dass sie außergewöhnlich oberflächlich und nicht sonderlich innovativ gestaltet sind.

Die Nebencharaktere empfand ich ebenfalls als blass und unausgereift. Teilweise haben sie keinen besonders langen Auftritt, bevor sie plötzlich auf sehr unemotionale Art und Weise sterben. Nur in der mysteriösen Kara habe ich das Potenzial gesehen, in den weiteren Bänden zu einer interessanten Figur zu werden. Romantik ist nur sehr wenig vorhanden, aber einige Entwicklungen lassen stark darauf schließen, dass in dieser Richtung noch einiges passieren wird. Leider finde ich, dass neben den Charakteren auch deren Beziehungen untereinander zu den Schwächen dieses Buches zählen, weshalb ich einer sich anbahnenden Liebesgeschichte in diesem Fall eher kritisch gegenüberstehe.


An sich sagt mir der Schreibstil sehr zu. Das Buch liest sich spannend, flüssig und angenehm, abgesehen von den vielen Fachbegriffen, die hin und wieder den Lesefluss beeinträchtigen. Stellenweise kam es mir leider so vor, als hätte die Autorin willkürlich Fantasienamen aneinandergereiht und dann Sätze drumherum gebildet, sodass ich vor lauter Fremdwörtern nicht mehr länger durchgeblickt habe. Das Namensregister vorne im Buch konnte da auch nicht wirklich helfen. Da es sich aber um den Debütroman der Autorin handelt, wird sie wohl einfach noch nicht so viel Übung darin haben, Hintergrundinformationen geschickt einzubauen. Dass die Geschichte aus zwei Perspektiven erzählt wird, fand ich aber sehr spannend und ansprechend. Lediglich die Emotionen wollten nicht bei mir ankommen - mich hat es einfach kaltgelassen.


Rhoda Belezza wollte mit Herrscherin der tausend Sonnen einen vielschichtigen Roman schaffen, doch leider werden zu viele Aspekte nur angekratzt. Das Buch bietet einen interessanten Welt-/ Galaxieentwurf, doch es fehlen der rote Faden und gut ausgearbeitete Charaktere. Vieles war mir zu vorhersehbar, anderes einfach unzusammenhängend und sprunghaft geschrieben. Noch dazu tragen die zahlreichen Fremdwörter und mäßigen Erklärungen zur Verwirrung des Lesers bei. Die Autorin wollte mit ihrem ersten Roman wohl einfach zu hoch hinaus, ich könnte mir aber vorstellen, dass sie mich irgendwann einmal mit einem anderen Buch richtig umhauen könnte, denn Talent hat sie auf jeden Fall. Wie es weitergeht, würde mich schon interessieren, allerdings werden die Fortsetzungen definitiv kein Must-Read sein.






Ein Dankeschön für die freundliche Bereitstellung eines Rezensionsexemplars geht an das Bloggerportal und:





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Die Reihe:




Band 2 erscheint am 25. Juni 2018.



Originalcover:




Auf Englisch erscheint Band 2 am 28. Februar 2018.



Weitere Meinungen:





♥♥♥








Kommentare:

  1. Hallo liebe Lena,

    leider habe ich es ja nicht so mit SciFi , jedenfalls normalerweise. Ich habe am Anfang des Jahres „Diabolic- Vom Zorn geküsst“ gelesen, das mich schlichtweg umgehauen hat. Da ich wie schon gesagt, eher meine Schwierigkeiten mit SciFi habe, würden mich viele Fachbegriffe eher abschrecken. Auch der parallele Storyverlauf in diesem Fall wäre nicht meins. Schade.
    Liebe Grüße Cindy

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    1. Hey Cindy,

      ich bin auch absolut der Meinung, dass dieses Buch NICHTS für dich wäre. Mal abgesehen davon, dass ich es generell nicht sonderlich empfehlen würde. :D Mondprinzessin hast du ja bereits im Regal, aber was ich dir in der Art noch ans Herz legen würde, wären die Luna-Chroniken (Wie Monde so silbern) von Marissa Meyer, die ich ja bereits in der Rezi oben erwähnt habe. Falls du sie noch nicht kennst: Das ist eine Reihe mit richtig tollen Märchenadaptionen mit Fantasy, Dystopie und ein wenig Sci-Fi und gaaaaanz viel Liebe! *.*


      Liebe Grüße
      Lena ♥♥♥

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