Dienstag, 21. Juli 2015

[Rezension] Bird Box - Schließe deine Augen (Josh Malerman)


Bild: penhaligon
♥ Titel: Bird Box - Schließe deine Augen
♥ OT: Bird Box - Don't open your eyes
♥ Autor: Josh Malerman
♥ Verlag: penhaligon
♥ Preis: 19,99€ (HC)
♥ Erscheinungsjahr: 2015
♥ Seiten: 320

Bird Box, der Debütroman von Josh Malerman (Sänger der Indie-Band The High Strung), hat mich sofort auf irgendeine Art und Weise fasziniert, als ich ihn das erste Mal im Regal eines Thalias stehen sah. Seitdem hat mich der Gedanke an dieses Buch einfach nicht mehr losgelassen, also habe ich es beim nächsten Abstecher in einen Buchladen einfach mitgenommen. Ich wusste nicht mal mehr genau, worum es in diesem Thriller eigentlich geht, aber diese gewisse Faszination hat mich schließlich dazu gebracht, die fast 20€ zu investieren und auf einen Glückstreffer zu hoffen. :D








♥ Cover & Aufmachung ♥

Bird Box ist im Hardcover mit Schutzumschlag erschienen. Das Cover mit dem Spotlack gefällt mir sehr gut und war auch mit einer der Gründe, warum ich auf dieses Buch aufmerksam geworden bin. Das coolste an dem Umschlag ist, dass er ein Loch hat, sodass man die Vögel wie durch eine Linse sehen kann, die direkt auf das Buch aufgedruckt sind. Auch sonst ist das Buch ohne den Umschlag nicht einfach nur schwarz sondern auch passend zum Cover gestaltet. Für den stolzen Preis von 19,99€  ist Bird Box allerdings ziemlich dünn geraten, selbst für ein Hardcover.

 
♥ Inhalt ♥

Malorie ist hochschwanger, als immer mehr Menschen aus aller Welt von einem schrecklichen Wahnsinn befallen werden und sterben. Gleichzeitig häufen sich die Meldungen von etwas Unheimlichem, dessen bloßer Anblick die Raserei auslösen soll. Schon bald herrscht überall gespenstische Ruhe. Die wenigen Überlebenden haben sich in kleinen versprengten Gruppen zusammengefunden und verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Malorie versucht alles, um die Menschen, die sie liebt, zu beschützen – in einer Welt, die von vier Wänden und verdunkelten Fenstern begrenzt wird. Und in der man den Tod erblickt, sobald man nur die Augen öffnet … (Quelle: Amazon)


♥ Umsetzung ♥

Eine Welt, in der man nicht die Augen öffnen darf, in der man blind umherläuft, um ja nicht zu sehen, was andere verrückt macht? Die Idee hinter Bird Box hat mich direkt gefesselt. Zwar konnte ich mir anfangs nicht viel darunter vorstellen und auch auf den ersten Seiten wusste ich noch nicht so ganz, in welche Richtung es gehen soll, aber das legte sich sehr schnell und ich konnte vollständig in diese spannende, bedrohliche und beklemmende Welt eintauchen, die Malerman mit diesem Roman geschaffen hat. Die Geschichte rund um Malorie, die zuerst mit ihrer Schwester Shannon, dann mit anderen Flüchtlingen zusammenlebt, wird abwechselnd in der Gegenwart und in der Vergangenheit erzählt. So erfahren wir sowohl von den aktuellen Ereignissen, wie die junge Frau ihr sicheres Haus verlässt, um mit den zwei Kindern den Fluss hinunterzurudern, als auch von ihrer Vergangenheit mit den anderen Hausbewohnern und wie es schließlich zu der Situation kam, dass sie ganz alleine mit ihren Kindern zurückblieb.

Die Geschichte rund um Malorie, ihre beiden Kinder und den Rest der Überlebenden wird sehr spannend erzählt, unvorhersehbar, unglaublich blutig und sie hat mir das Blut in den Adern gefrieren lassen. Niemand ist sicher in der Welt, die nun voller Wesen ist, die man nicht sehen darf. Denn wer sie sieht wird verrückt und zur Gefahr für sich selbst und alle anderen. Gerade weil es jeden treffen konnte und man nie wissen konnte, was als nächstes passiert, entwickelte sich Malermans Thriller für mich zu einem absoluten Pageturner, den ich kaum weglegen konnte und schließlich in weniger als zwei Tagen durchhatte (und das obwohl ich es im Urlaub gelesen habe, inklusive schwimmen und essen gehen, Animes schauen und Posts schreiben!).

In Bird Box fliegen so einige Körperteile herum, weshalb ich das Buch auch wirklich nur für Erwachsene oder solche empfehlen würde, die schon öfter so etwas in der Richtung gelesen haben und "abgehärtet" sind. Nicht nur einmal habe ich mir die Frage gestellt, wie ich mich wohl in dieser neuen Welt zurechtfinden würde und ob ich es auch über mich bringen könnte, mit einer Augenbinde (komplett blind) draußen vor dem Haus Wasser aus dem Brunnen zu holen, andere Häuser nach Lebensmitteln abzusuchen, mehrere Kilometer Auto zu fahren oder einen Fluss hinunterzufahren - während die Wesen, die für den gesamten Wahnsinn verantwortlich sind, womöglich direkt um einen herumschleichen.


♥ Charaktere ♥

Malorie macht als Protagonistin in Bird Box die größte Wandlung durch. Zu Beginn der Geschichte ist sie eine starke junge Frau, der festen Überzeugung, ihr Kind wenn nötig auch alleine aufzuziehen. Im Gegensatz zu ihrer Schwester Shannon glaubt sie nicht an eine mögliche Bedrohung und schenkt den Medien kaum Beachtung. Als es jedoch zu einer tragischen Wende kommt, macht sie sich schließlich alleine auf den Weg zu einem Zufluchtsort, inseriert in der Zeitung. Dabei fährt sie durch die verlassenen Straßen, die Augen halb gesenkt, halb geschlossen, verängstigt und schließlich unendlich erleichtert, als sie und ihr Baby im Bauch bei Tom, Don, Jules, Felix und Cheryl aufgenommen werden. Die Hausbewohner waren mir durchweg alle sympathisch und haben alle ihre eigene tragische Geschichte zu erzählen. Besonders Tom, der Anführer, ist mir genau wie Malorie sehr ans Herz gewachsen, nur wissen wir natürlich von Beginn des Buches an, dass auch er es nicht schaffen wird. Später kommt noch Olympia dazu, die ebenfalls schwanger ist und Malorie bald zu einer guten Freundin und Stütze wird.

Der Haushalt in dieser "WG" ist geregelt, alle Aufgaben gleichmäßig verteilt. Doch auch hier ist es nicht vollständig sicher, denn immer wieder fängt Jules' Hund Victor an, die abgedeckten Fenster anzubellen und auch beim Wasser holen fühlen sich die Bewohner beobachtet. Durch gefährliche Missionen an der frischen Luft versuchen Tom und Jules, mehr über ihre Umwelt zu erfahren, brauchbare Dinge in anderen Häusern zu suchen und damit das Überleben der gesamten Gruppe zu sichern, was zwar die Selbstlosigkeit und den Mut der Beiden zeigt, jedoch jedes Mal mehrere Tage in Angst für die restlichen Bewohner des Hauses bedeutet, die in Tom so etwas wie ein Bindeglied und einen Funken Hoffnung sehen. Mit Gary kommt schließlich eine weitere Person ins Haus - und mit ihm das Misstrauen. Gary wirkt unsympathisch und auch die Bewohner des Hauses - ausgenommen Don, der nun endlich jemanden zum Reden hat - trauen ihm nicht über den Weg. Vor allem Malorie wird zunehmend paranoid und entwickelt große Angst vor Gary.

Jahre später, als nur noch sie und ihre zwei Kinder übrig sind, wirkt sie wie ein psychisches Wrack, immer in Angst vor der Welt und ihren Gefahren, kaum noch fähig einen Fuß vor die Tür zu setzen. Dass sie sich in dieser Situation zutraut, die gerade einmal vier Jahre alten Kinder in ein Ruderboot zu setzen und flussabwärts blind nach einem neuen Zufluchtsort zu suchen, macht sie für mich jedoch trotzdem zu einer starken Protagonistin, die alles daran setzt, ihre Kinder zu beschützen, die nie das Tageslicht, einen Baum oder sonst etwas außerhalb des Hauses zu Gesicht bekommen haben. Jahrelang hat sie ihre Ohren trainiert und die Kinder streng erzogen, alles für den Tag ihrer Flucht, auf der sie sich auf nichts außer ihrer Ohren verlassen können.

Doch diese Methoden haben auch eine gewisse Distanz zwischen Malorie und den Kindern geschaffen, denn sie gehorchen bedingungslos, sind weder neugierig noch besonders lebhaft und wurden schon früh mit Angst konfrontiert. Malorie, die sie stets nur mit "Mädchen" und "Junge" anspricht, niemals mit Namen, fragt sich dadurch nicht selten, ob sie ihnen wohl eine gute Mutter ist. Erst am Ende des Buches, in "Sicherheit" angelangt (zumindest vorerst), spricht sie die Kinder mit Namen an. Als ich die Namen der Kinder las, habe ich in Anbetracht der schlimmen Dinge, die die junge Frau durchstehen musste, fast weinen müssen, denn es war gleichzeitig eine sehr schöne, aber auch traurige Schlussszene für mich.


♥ Schreibstil ♥

Josh Malermans Schreibstil ist ein weiterer Pluspunkt des Buches. Die Sätze sind kurz, prägnant und es kommt nie zu Längen. Malerman hält sich einfach nicht mit unwichtigen Details auf, sondern legt ein gutes Erzähltempo vor. Bird Box hält sich dadurch konstant auf einem hohen Spannungslevel. Besonders bemerkenswert fand ich die inneren Monologe Malories, die sich oft wie Selbstgespräche lesen oder in denen sich vieles wiederholt, wodurch man einen guten Eindruck von ihrer psychischen Verfassung bekommt und spürt, wie sie sich verändert. Das und wie sie einige Sätze in ihrem Kopf fast schreit, hervorgehoben in durchgängigen Großbuchstaben, war wirklich fantastisch umgesetzt und hat mir sehr geholfen, mich mit Malorie zu identifizieren.


♥ Fazit ♥

Bird Box ist definitiv nichts für schwache Nerven und hat sich die Bezeichnung "Horror-Thriller" wirklich verdient. Josh Malermans Endzeitszenario liest sich beklemmend, verstörend, erschreckend. Aber gleichzeitig ist dieses Buch auch einfach absolut genial und genau nach meinem Geschmack! Für mich stellt Bird Box zur Zeit ein absolutes Highlight dar und ich würde jedes andere Buch von diesem Autoren lesen. Ich kann dieses Buch nur jedem Thriller- und Horrorfan ans Herz legen, der gerne mal einen etwas anderen Thriller lesen möchte.



Bewertung: 5/5





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Als Taschenbuch unter dem Titel Der Fluss erhältlich.

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