Freitag, 24. Juli 2015

No Name - Clara - Kurzgeschichte (Teil 2)



Zweitens.

09:00 Uhr
Jetzt erst mal Kaffee. Und ne neue Packung Kippen wär auch ganz gut, wobei ich habe wahrscheinlich mal wieder gar kein Geld. Na dann muss ich mir wohl später welche schnorren. Später. Was mache ich später. Heute ist Freitag, irgendwer wird wohl was unternehmen. Und bis dahin? Ich werde schon was interessantes finden und zur Not treffe ich mich halt mit irgendwem. Es ist doch noch ganz schön kalt. Vielleicht hätte ich mir eine Jacke mitnehmen sollen. Ach egal. Ich werde schon nicht dran sterben. Regen wäre eigentlich mal wieder ganz cool.

Sie zieht die Kapuze über den Kopf, während sie, die Kopfhörer in den Ohren, das Haus verlässt. Zielstrebig und mit großen Schritten läuft sie die Straße runter. Ihr Blick ist die ganze Zeit gesenkt und sie schaut nur kurz auf, als sie an der Straße steht und diese überquert. Sie betritt eine Bäckerei und wartet hinter einer alten Frau, dabei zieht sie einen Hörer aus dem Ohr. Als sie an der Reihe ist, bestellt sie einen großen Kaffee. Sie verlässt die Bäckerei und stellt sich davor auf den Bürgersteig. Es hat angefangen zu nieseln. Sie blickt nach oben und dabei fällt ihre Kapuze zurück. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, verschwindet aber sofort wieder und sie ballt ihre rechte Hand zu einer Faust. Sie läuft langsam die Straße entlang, mit ihrem Kaffee in der einen Hand und der anderen Hand in der Tasche ihres Pullovers. Sie richtet ihren Blick auf die grauen Wolken über ihr. Sie bleibt erneut stehen und beobachtet, wie die Wolken weiter ziehen und der Himmel langsam zum Vorschein kommt. Ein Sonnenstrahl fällt auf ihr Gesicht und bringt die Regentropfen darauf zum leuchten. Nach einigen Sekunden wischt sie sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Ihr Blick fällt dabei auf einen Gegenstand ein paar Meter von ihr entfernt auf dem Bürgersteig, der die Sonnenstrahlen reflektiert. Sie läuft langsam darauf zu und hebt ihn auf. Es ist eine filigrane silberne Kette mit einem daumen-großen, durchsichtigen Stein in Form eines Tropfens als Anhänger. Sie sieht sich um, doch sie ist alleine auf der Straße. Sie zuckt mit den Schultern und legt die Kette auf einen Stromkasten der einige Meter weiter steht.

23:46 Uhr
Sie sitzt auf einer niedrigen Mauer, etwas abseits von dem Rest der anderen Leute. Sie zieht ihr Handy aus ihrem Pulli und schaltet das Display ein. Sieben verpasste Anrufe. Sie seufzt, steckt das Handy wieder weg und schaut in den Himmel. Von den Wolken am Morgen ist nichts mehr übrig und die Sterne spiegeln sich in ihren großen dunklen Augen. Ihre Lippen bewegen sich als würde sie ein Lied singen, aber sie sitzt in völliger Stille. Ein Junge kommt auf sie zu und stellt sich lässig neben sie. Er holt eine Schachtel Zigaretten aus der Brusttasche seiner Lederjacke. Er zieht eine heraus und hält ihr wortlos die Schachtel hin. Mit einem Nicken nimmt sie eine Zigarette und zündet sie mit ihrem Feuerzeug an. Er betrachtet sie dabei und zieht fragend eine Augenbraue hoch. "Wie alt bist du?" "Ist das wichtig?" Sie schaut ihn ohne die geringste Regung auf ihrem Gesicht an. Er grinst. "Und wie heißt du?" "Du bist ganz schön neugierig." Sie wendet ihren Blick von ihm ab und wendet sich der Zigarette zu. Mit einem noch breiteren Grinsen antwortet er: "Naja immerhin hast du die Kippe angenommen, ... können wir uns nicht diese ganze Unnahbar-Sache sparen?" Mit hochgezogener Augenbraue und leichtem Grinsen um die Mundwinkel dreht sie ihr Gesicht zu ihm. "Ich mache doch nicht auf unnahbar, mein Süßer, ich bin nur vorsichtig. Du kannst mich nennen wie du willst, es ist mir eigentlich relativ egal." Sein Grinsen verschwindet und er schaut in den Nachthimmel. "Wie wärs mit Noname?" "Noname?! Ja das gefällt mir!", sagt sie mit einem leisen perlenden Lachen. "Also dann, Noname, hättest du Lust auf ein Abenteuer?" Ihr Lachen erstarrt und sie verdreht die Augen. "Ne sorry, aber ich nehme keine Drogen." Nun lacht er. "Nein, das meinte ich gar nicht. Ich hab keine Lust mehr auf dieses langweilige Leben. Aber ein Abenteuer alleine erleben macht nur halb so viel Spaß, wie wenn man es mit Jemandem teilt." Sie schaut ihn an und fängt an zu lachen. Er schaut nur verdutzt drein. "Bisschen kitschig, findest du nicht?" Mit übertrieben beleidigtem Blick schaut er in die Ferne und fragt, "Ist dein Leben denn so aufregend, dass du kein Abenteuer brauchst?" Sie wendet ihren Blick auch in die Ferne und lächelt. "Ich bin die Erste, die aufspringt, alles hinter sich lässt und in die Welt verschwindet, aber dass hier ist kein Disneyfilm sondern die Realität. Ich habe Verpflichtungen, Verantwortung." "Was ist denn so wichtig, dass es dich davon abhält dein Glück zu suchen und endlich glücklich zu werden? Du siehst ziemlich unerfüllt aus, wenn ich das so sagen darf." Sie schweigt einige Sekunden. "Du willst also allen ernstes mit jemand wildfremdem, von dem du nichts weißt, abhauen und alles hinter dir lassen?" Er schaut sie an und antwortet nüchtern "Ja." Sie schaut ihn auch an und lächelt. "Na, worauf warten wir dann noch?" Sein Gesicht fängt an zu leuchten und er grinst von einem Ohr zum anderen. "Ich bin Aaron, sehr erfreut mit ihnen ein Abenteuer erleben zu dürfen!" Er streckt ihr seine Hand hin. Sie lächelt, springt auf, ergreift seine Hand und zieht ihn mit sich in die Nacht.

So ihr Süßen,
dass ist das zweite Kapitel meiner Geschichte. Ich hoffe es gefällt euch bis hier hin und ich würde mich über Feedback in den Kommis freuen!!

Küsschen, Clara

1 Kommentar:

  1. Etwas irritierte mich: Sie meint Anfangs sie hätte kein Geld, kauft aber dann beim Bäcker Kaffee, das hätte man noch etwas klarer beschreiben sollen, so wirkte das etwas widersprüchlich. In einem Satz gab es eine Wortwiederholung ("Sie wendet ihren Blick von ihm ab und wendet sich der Zigarette zu.") aber der Dialog der beiden Figuren wirkte ganz nett und natürlich, sowas scheint dir beim schreiben zu liegen.

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